Lauschige Kanäle, malerische Gärten und schiefe Pagoden

Tagesausflüge von Shanghai: Hangzhou, Suzhou und die Wasserstadt Zhouzhuang

[Alex schreibt] Auch wenn es in der 25-Millionen-Einwohner-Metropole Shanghai mehr als genug zu entdecken gibt und man sich dem Bann dieser aufregenden Stadt kaum entziehen kann: wer Shanghai besucht, sollte unbedingt Zeit für den einen oder anderen Ausflug in die Umgebung einplanen. Allen voran seien die drei Städte Hangzhou, Suzhou und Zhouzhuang empfohlen, die man von Shanghai bequem mit dem Hochgeschwindigkeitszug beziehungsweise mit dem Bus erreichen kann und die untereinander ebenfalls gut verbunden sind.

Hangzhou: Chinas berühmtester Stadtsee und grüne Teeplantagen

„Kristallblaue Wellen glitzern in der Sonne“, heißt es in einem chinesischen Gedicht. Gemeint ist der Westsee in Hangzhou, der schon den Entdecker Marco Polo in Bewunderung versetzte, als er im späten 13. Jahrhundert in der Stadt im südlichen Yangtse-Delta weilte. 36 Westseen gibt es in China, doch wenn die Chinesen vom Westsee sprechen, meinen sie immer den in Hangzhou.

Westsee: Mystischer Dunst am Tag, gigantische Lichtershow am Abend

Die Sonne hält sich versteckt an diesem Septembermorgen. Der Horizont ist kaum auszumachen, See und Himmel scheinen miteinander zu verschmelzen. Die grünen, bewaldeten Hügel, die den Westsee an drei Seiten umschließen, die fünfstöckige Pagode und die anderen Ausflugsboote sind nur in Schemen auszumachen. Eine fast mystische Stimmung. Zum Teil dem Smog geschuldet, zum Teil der tropisch-feuchten Luft im südchinesischen Spätsommer.

 

Wir nähern uns den drei kleinen Steinpagoden, die aus dem Wasser ragen und den Namen „drei Teiche, die den Mond spiegeln“ tragen, erspähen kleine Inseln, auf denen sich Gärten mit Teichen und Teehäusern befinden, und passieren die „Zerbrochene Brücke“. Um die rankt sich eine rührende Legende, die des Apothekers Xu Xian, der sich in ein Mädchen verliebt, das eigentlich eine weiße Schlange ist, Stoff für unzählige chinesische Liebesfilme. Um Liebe geht es auch am Abend am Westsee, wenn der See zu einer Showbühne wird und der Himmel in pink, gelb, rot und orange erstrahlt. Eine Empfehlung auch für alle „Show-Muffel“.

Westsee Hangzhou, China - Bootsfahrt

Der mystische Westsee in Hangzhou – durch den vielen Dunst ist der Horizont kaum zu erkennen 

Westsee Hangzhou, China - Bootsfahrt

Auf den kleinen Inseln im Westsee befinden sich Gärten mit Teichen und Teehäusern

Hangzhou: Lichtshow am Westsee - China

Am Abend wird der Westsee zu einer ziemlich spektakulären Showbühne

Teeplantagen bei Hangzhou – Geburtsort des Drachenbaumtees

Hangzhou ist nicht nur für seinen Westsee berühmt, es gilt auch als Teehauptstadt Chinas. Hangzhou ist nämlich die Wiege des Longjingtees oder Drachenbaumtees, dem wohl bekanntesten Grüntee aus China. Nur wenige Kilometer vom Westsee entfernt schmiegen sich saftig-grüne Teeplantagen an die Hügel. Insgesamt vier „Teedörfer“ gibt es in der Umgebung von Hangzhou.

 

Wir steuern das Dörfchen Meijiawu an, in dem die Familie Mei eine Teeplantage betreibt, wandern durch die Teeplantagen, stecken die Nase in die jungen Teeblätter und scherzen mit der älteren Dame, die die Teesträucher beschneidet. Wer Tee kosten möchte: Es gibt verschiedene Teehäuser links und rechts der Hauptstraße, doch aufgepasst, der Spaß ist nicht ganz billig und es wird erwartet, dass man im angeschlossenen Shop Tee kauft.

Teedorf Mei Plantage in Hangzhou, China

So schön: Die malerischen Teeplantagen an den Hängen rund um die Stadt Hangzhou

Teedorf Mei Plantage in Hangzhou, China

Gute Laune bei der Arbeit: Eine Bäuerin im Teefeld

Lingyin-Tempel: Lachende Buddhas und singende Pilgerer

Die gläubigen Chinesen kommen nach Hangzhou, weil hier einer der bedeutendsten buddhistischen Tempel Chinas beheimatet ist, der Lingyin-Tempel. Bevor man die eigentliche Tempelanlage betritt, wandert man durch einen bewaldeten Park mit Felsgrotten, in denen lachende, dickbäuchige Buddhas eingehauen sind. 3.000 Mönche lebten früher im Lingyin-Tempel, der übersetzt „Tempel der zurückgezogenen Gottheiten“ heißt.

 

Am Eingang stehen Körbe mit bunten Blüten. Rote, mit goldenen Schriftzeichen bedruckte Schleifen flattern im Wind, Schwaden von Räucherstäbchen steigen in die Luft. Aus einem Innenhof ertönt Gesang, Dutzende von Frauen haben sich zu einer Zeremonie versammelt. In der Hand halten sie Gebilde aus Getreidehalmen, die mit in Metallic-blau und Pink leuchtenden Schleifen geschmückt sind. Ich kann mich kaum lösen von dieser Szenerie, das Lachen der Frauen ist ansteckend, der Gesang irgendwie magisch.

Hangzhou: Lingyin Tempel Singende Frauen

Im Lingyin Tempel haben sich chinesische Frauen zu einer Zeremonie versammelt

Hangzhou: Lingyin Tempel - lachender Buddha

In die Felsgrotten wurden lachende, dickbäuchige Buddhas eingehauen

Hangzhou: Lingyin Tempel - China

Schwaden von Räucherstäbchen steigen in die Luft am Lingyin Tempel

Sonst noch in Hangzhou: Gongchenquiao Historic District & Xixi Wetland Park

Hanghzhou ist eine 9-Millionen-Stadt, doch zwischen all den Hochhäusern verstecken sich noch Reste der Altstadt. Typische chinesische Häuser, traditionelle chinesische Apotheken und kleine Tempel findet man beispielsweise im Gongchenquiao Historic District. Durch kopfsteingepflasterte Gassen spaziert man zur alten Gongchen-Brücke, die den Kaiserkanal überspannt, der Hangzhou mit Beijing verbindet. Er wurde von den chinesischen Kaisern angelegt und ist mit 1.800 Kilometern der längste künstliche Wasserweg der Welt. Wer sich für Fächerkunst und chinesisches Handwerk interessiert, macht einen Abstecher ins Hangzhou Arts and Crafts Museum.

 

Lohnend ist auch ein Ausflug in den Xixi Wetland Park, ein ehemaliges Sumpfgebiet außerhalb von Hangzhou, das heute von einem Netz aus Wasserwegen durchzogen ist. Mit einem Holzboot geht es vorbei an Feldern und historischen Gebäuden, die man auch von innen besichtigen kann.

 

Hinkommen: Von Shanghai nach Hangzhou sind es 170 Kilometer. Züge fahren von den Bahnhöfen Shanghai South und Hongqiao und brauchen zwischen 45 Minuten und 1 Stunde 45 Minuten. Für die Umrundung des Westsees mietet man sich am besten ein Fahrrad.

 

Essen: An einer der Garküchen am Ufer des Westsees, wo es frische Baozi gibt, das sind gefüllte Teigtaschen. Oder etwas edler im Qing Imperial Garden am Westsee. Hier unbedingt die Spezialität von Hangzhou probieren: Shrimps, die mit den Blättern des Drachenbaumtees zubereitet werden.

 

Übernachten: Wir haben im Zheijang International Hotel in der Tiyuchang Road übernachtet. Wer in einem der oberen Stockwerke wohnt, kann bei guter Sicht in der Ferne den Kaiserkanal beziehungsweise den Westsee erspähen.

Hangzhou: Lingyin Tempel Buddha Figur - China

In der Neun-Millionen-Stadt Hangzhou gibt es für Besucher richtig viel zu sehen und zu erleben

Suzhou: Das Venedig Chinas, die Gärten und die schiefe Pagode

Sie ist die Stadt mit den meisten Wasserwegen und Brücken in China und wird daher auch das Venedig Chinas genannt: Suzhou. Doch wir starten unsere Erkundungstour in Suzhou nicht auf dem Wasser, sondern im Grünen, in einem der einst über 200 klassischen Landschaftsgärten, die vor 500 Jahren von reicher Kaufleuten und Beamten errichtet wurden.

Suzhou, die Gartenstadt: Im Garten des bescheidenen Beamten

Der Garten des bescheidenen Beamten, angeblich der schönste in Suzhou und neben dem Sommerpalast in Beijing einer der bekanntesten in China, geht auf einen Beamten zurück, der beim Kaiser in Ungnade fiel und sich daraufhin nach Suzhou zurückzog. Mit Gästen flanierte man entlang lauschiger Kanäle, vorbei an Felsen, Bambusinseln und begrünten Hügeln mit Pagoden, um schließlich im Pavillon einen Tee zu trinken oder mit der Konkubine ein paar Granatapfelkerne zu naschen. Wer mehr Zeit hat, besucht noch den Löwenwaldgarten, den Garten des Pavillons der azurblauen Wellen oder den Garten des Verweilens.

Suzhou, China: Garten des bescheidenen Beamten

Der Garten des bescheidenen Beamten gilt als der schönste in Suzhou..

Suzhou, China: Garten des bescheidenen Beamten

…und ist neben dem Sommerpalast in Beijing einer der bekanntesten in China

Suzhou, China: Garten des bescheidenen Beamten

Lauschige Kanäle, Felsen, Bambusinseln und begrünte Hügel mit Pagoden

Vom Tiger Hill und der schiefen Pagode in die Altstadt von Suzhou

Pisa hat seinen schiefen Turm, Suzhou seine schiefe Pagode. Diese thront auf einem Hügel im Nordwesten der Stadt, auf dem Tiger Hill. Viele Treppen muss man zurücklegen, bevor man vor der Ziegelpagode steht, die sich tatsächlich mächtig zur Seite neigt. Besonders schön ist der ruhige Teil der Anlage am Fuße des Hügels mit den Bonsaigärten und den hübschen alten Villen mit den schwarzen Ziegeldächern und den Ornamenten. Dass der Himmel grau ist, stört nicht, es verleiht dem ganzen irgendwie eine besondere Stimmung.

 

Schließlich steigen wir in ein Boot, das uns über das weit verzweigte Kanalnetz in die Altstadt von Suzhou bringt. Das Herz der Altstadt schlägt im Pingjiang District. Mehr als 800 Jahre alt sind die restaurierten Häuser, die direkt am Wasser gebaut sind und in denen sich hübsche Cafés und Boutiquen befinden. Etwas abseits findet man ganz normale Wohnhäuser. Aus einer Tür tritt eine alte Dame, sie hebt ihr Teeglas, lächelt uns zu, bevor sie wieder dem Treiben auf dem Wasser zuschaut. Tipp: Am Abend einen Spaziergang durch den Pingjiang District machen, wenn der Kanal und die Häuser bunt beleuchtet sind.

 

Hinkommen: Suzhou liegt 80 Kilometer nordwestlich von Shanghai und ist von der Shanghai Railway Station und vom Bahnhof Hongqiao in weniger als 30 Minuten zu erreichen.

 

Essen: Zum Mittagessen auf eine Nudelsuppe ins Tong De Xing in der Jiayufang 6, am Abend ins Songhe Lou in der Shantag Jie 198. Hier isst man Feuerquallensalat und „explodierten Fisch“, der wie ein Eichhörnchen aussieht und mit süß-saurer Soße serviert wird.

 

Übernachten: Das Scholars Hotel PingJiang Fu in der East Baita Road liegt zentral in der Altstadt von Suzhou und ist im Stil eines traditionellen, chinesischen Hauses gehalten mit einem hübschen Garten.

Schiefe Pagode Tiger Hill in Suzhou Hügelkloster, China

Pisa hat seinen schiefen Turm, Suzhou seine schiefe Pagode

Tiger Hill in Suzhou Hügelkloster, China

Durchgang zum Hügelkloster – die runden Eingänge findet man sehr oft in China

Tiger Hill in Suzhou Hügelkloster Tempel, China

Besonders schön ist der ruhige Teil der Anlage am Fuße des Hügels

Zhouzhuang: Mit dem Gondolière durch Chinas schönste Wasserstadt

Die Region um Shanghai im Delta des Jangtses ist sehr wasserreich mit Seen, Flüssen und Kanälen, die die hier liegenden Lagunenstädte mit dem alten Kaiserkanal verbinden. Eine der schönsten, ältesten und meist besuchten dieser Wasserstädte ist Zhouzhuang, 30 Kilometer südöstlich von Suzhou. Über 900 Jahre alt ist Zhouzhuang, die meisten der prächtigen Kaufmannshäuser stammen jedoch aus der Zeit der Ming- und Qing-Dynastie.

 

Einige dieser Residenzen sind für Besucher geöffnet, beispielsweise das Shen-Haus und das Zhang-Haus. Hinter den verzierten Torbögen verbergen sich mehrere Innenhöfe und verschachtelte Gebäudeteile mit bis zu 100 Zimmern. Ein wenig wähnt man sich wie in der Kulisse eines alten chinesischen Spielfilms in dem herausgeputzten Städtchen mit den weißgetünchten Häusern mit den schwarzen Ziegeldächern und den jahrhundertealten Steinbrücken, wäre da nicht eine Filiale von McDonalds oder das Café mit der zischenden Espressomaschine und der bunten Eiscreme. Auch hübsche Teehäuser gibt es in Zhouzhuang, beispielsweise in der Zefeng Street.

 

Die beste Art, Zhouzhuang zu erkunden, ist sich durch die Gassen treiben zu lassen, auf einer der Brücken wie der „Brücke des Reichtums und Friedens“ zu verweilen und den Blick über den Kanal und die Häuser mit den hölzernen Fensterläden und den roten Lampions schweifen zu lassen. Oder man lässt sich von einem Gondolière über den Kanal schippern. Wenn man Glück hat, stimmt dieser ein traditionelles chinesisches Lied an.

 

Hinkommen: Zhouzhuang liegt 85 Kilometer südwestlich von Shanghai und ist per Langstreckenbus zu erreichen. Busse starten sowohl an der Shanghai Railway Station als auch an den Bahnhöfen Shanghai South und Hongqiao und brauchen etwa 1 Stunde 30 Minuten.

 

[Franzi schreibt] Dieser Artikel stammt aus der Feder der wunderbaren Alex von Traveling the World – Stories of a Travelista. Sie geht regelmäßig für Coconut Sports auf Reisen und teilt ihre Erfahrungen hier mit uns. Ihr könnt Alex übrigens auch auf Instagram folgen.

China: Altstadt von Zhouhzhuang

Über 900 Jahre alt ist Zhouzhuang, viele Häuser stammen jedoch aus der Zeit der Ming- und Qing-Dynastie

China: Altstadt von Zhouhzhuang

Vielen Dank an das Fremdenverkehrsamt der Volksrepublik China für die Unterstützung dieser Reise. Meine Meinung bleibt davon unbeeinflusst.

Ein Gedanke zu „Lauschige Kanäle, malerische Gärten und schiefe Pagoden

  1. Toja Diebel

    Hallo zusammen,
    der Artikel macht wirklich Lust, das Land einmal zu bereisen. allerdings bin ich bei China immer hin- und hergerissen. Zum einen natürlich wegen der komplizierten Einreise – Visum etc. Dann bin ich mir aber auch nicht sicher, ob ich ohne Sprachkenntnisse auch in ländlichen Regionen gut durchkomme? Vielleicht habt ihr da Erfahrungen? Englisch ist vorhanden, aber soweit ich weiß, verstehen das die meisten nicht.
    Lieben Gruß
    Toja

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