Bring eine Ratte mit, wir müssen über Liebe reden!

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„Du solltest wirklich mal deine Vorstellungen von einer Beziehung überdenken.“ Ein wirklich abscheulicher Satz, den mir meine Ex-Affäre vor kurzem um die Ohren gehauen hat. Mein erster Reflex war, den Mann mit einer Holzlatte zu erschlagen, und ihn dann eine halbe Stunde lang im Fluss zu ertränken – so wie es die Philippiner mit ihren überdimensionalen Ratten machen. Eigentlich ist der Vergleich gar nicht so weit hergeholt. Aber weil ich mir vor langer Zeit vorgenommen habe, ein bisschen vernünftiger zu werden, denke ich meinetwegen ein paar Minuten darüber nach.

Wenn Unabhängigkeit in Egoismus umschlägt

Warum das ausgerechnet hier und jetzt sein muss, kann ich euch ehrlich gesagt gar nicht sagen. Es ist spät, ich bin müde und ich befinde mich seit drei Tagen auf einer Israel-Pressereise, die einfach kein Ende nehmen will. Jerusalem ist wunderschön, aber dieses ganze Bloggergedöns laugt mich aus. Hardcore-Sightseeing, Tourbus-Feeling und ein Lärmpegel, der immer nur dann 130 Dezibel unterschreitet, wenn unerwartet eine WLAN-Quelle ausfindig gemacht wurde.

 

Eigentlich sollte ich die Zeit mit meinen Bloggerkollegen genießen. Stattdessen sitze ich in meinem 5-Sterne-Hotelzimmer, fresse eine Tonne Schokolade und bemitleide mich selbst. Als ich vor gefühlt hundert Jahren meinen gemütlichen Konzernschreibtisch verlassen habe, wollte ich unbedingt ein unabhängiger Mensch werden. Und unabhängig macht das Reisen wirklich – allerdings oft mehr, als einem lieb ist. Denn wenn die Unabhängigkeit in Egoismus umschlägt, fängt es an, gefährlich zu werden.

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Schon beneidenswert, so ein geiles Bloggerleben

Ich kann mich noch gut an eine Zeit erinnern, in der mir alles irgendwie genug war: Mein Job, meine Wohnung, mein Privatleben und mein soziales Umfeld. Aber dieses Gefühl des Zufriedenseins gehört schon lange der Vergangenheit an. Inzwischen kommt es mir vor, als hätte ich jedes Maß verloren. Alles muss immer besser, schneller und voller Superlative sein. Ich habe weder mit mir selbst Geduld, noch mit meinem Umfeld, noch mit irgendeinem anderen Menschen auf der Welt. Mittlerweile möchte ich schon Fußgänger vor den Bus schubsen, die vor mir auf dem Gehweg zu langsam laufen.

 

Am Anfang war da nur dieses Bedürfnis, möglichst viel von unserem wunderschönen Planeten zu sehen. Inzwischen gibt es kaum noch ein Reiseziel, das nicht auf meiner Löffelliste steht. Kaum noch einen Trip, der mir zu weit, zu teuer oder zu umständlich erscheint. Und kaum noch eine verrückte Idee, die nicht so lange hartnäckig in meinem Kopf rattert, bis sie endlich umgesetzt wird. Ich nutze alle Möglichkeiten, die meine beiden großartigen Jobs mit sich bringen, und sollte mich jeden Morgen strahlend vor Dankbarkeit ins Leben stürzen. Stattdessen fühle ich mich wie eine Getriebene, die einfach nie so wirklich zur Ruhe kommt.

Von großen Liebesgeschichten und grünem Gartenzaun-Neid

Es gibt da dieses Mädchen, das in der sechsten Klasse für lange Zeit meine Banknachbarin war. Wir beide haben uns in so unterschiedliche Richtungen entwickelt, dass ich es oft selbst kaum fassen kann. Die Liebe ihres Lebens lernte sie mit süßen 14 Jahren kennen. Heute sind die beiden verheiratet, arbeiten in einer Bank und haben in einem kleinen Dorf das Nachbarhaus ihrer Eltern gekauft. Einmal im Jahr fliegen sie nach Mallorca, da gefällt es ihnen gut. Nur einmal sind sie auf die Malediven geflogen, denn die Hochzeitsreise sollte etwas Besonderes sein. Da hat es ihnen nicht gefallen – zu viele Moskitos und keine Bundesliga.

 

Ich würde sie gerne belächeln und selbstgerecht auf ihr Leben herabschauen, das nicht weit über ihren weiß gestrichenen Gartenzaun hinausragt. Stattdessen erwische ich mich immer wieder dabei, wie ich sie glühend heiß beneide um das, was sie haben. Wenn ich sie treffe oder ihre Fotos sehe, lächeln sie zufrieden und strahlen Ruhe und Gelassenheit aus. Ich dagegen werde meistens mit Komplimenten wie: „Geht’s dir gut?“, „Hast du es eilig?“ oder „Du siehst irgendwie gestresst aus.“ empfangen.

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Was passiert, wenn morgen plötzlich wieder gestern ist?

Ich mag keine Katzen und der einzige Grund dafür ist, dass ich Angst habe, eine Katzenlady zu werden. Ich habe Angst, dass dieses ganze Kartenhaus aus Bloggen, Freelancen, Fliegen und „Dann verkaufe ich eben ein bisschen Zeug bei Ebay“ irgendwann über mir zusammenbricht. Denn ich habe kein Eigenheim, keinen Gartenzaun und keine Bank, in der ich arbeiten kann. Ich habe kein Auto, keinen Bausparvertrag und am allerwenigsten habe ich einen Mann, der es auf Dauer mit mir aushält.

 

Denn ich neige nicht nur dazu, unrealistische Erwartungen an mich selbst zu stellen – ich stelle sie auch an Männer. Ich will immer alles jetzt, sofort und zu hundert Prozent. Ich bin einnehmend, hysterisch, eifersüchtig und vielleicht auch ein kleines bisschen durchgeknallt. Wie die Dementoren aus den Harry Potter-Romanen sauge ich jedem neuen Mann innerhalb kürzester Zeit sämtliche Energie aus dem Körper. Und wenn er am Ende völlig kraftlos in den Seilen hängt? Dann drehe ich mich um und gehe, weil ich mir einrede, dass das Ganze sowieso keinen Sinn macht.

 

Ich weiß nicht, was passieren wird, wenn es irgendwann vorbei ist mit dem Reisen. Wenn das Lotterleben nicht mehr weitergeht und ich aus welchen Gründen auch immer zurück in die Realität katapultiert werde. Werde ich wie Eleonor Abernathy schnaubend vor Wut durch München laufen und wildfremde Menschen mit Katzen bewerfen? Was, wenn mich irgendwann die Torschlusspanik packt, und ich mit einem Mann vor dem Altar lande, den ich in meiner jetzigen Situation nicht einmal mit dem Arsch anschauen würde?

Gott sei Dank gibt es für jede Lösung ein Problem

Und wie so oft fällt mir für all meine First-World-Problems mal wieder nur eine Lösung ein: Ich packe meinen Rucksack und verschwinde. Es geht nach Südafrika diesmal. Open End. Vielleicht für einen Monat. Vielleicht forever-ever? Ich weiß es nicht und aktuell will ich es auch gar nicht wissen. Ich hoffe nur, dass aus diesem ständigen Suchen vielleicht irgendwann ein Finden wird. Oder ein Ankommen, das wäre schön. Es geht schon bald los und ich bin wahnsinnig aufgeregt. Vielleicht ist Südafrika genau das, was in meinem Kopf so lange gerattert hat. Und an den Typen, der diesen Artikel angestoßen hat: Du hast vielleicht Recht, aber ein Depp bist du trotzdem.

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17 Gedanken zu „Bring eine Ratte mit, wir müssen über Liebe reden!

  1. Anne-Marie

    Ich weiß gerade nicht, ob ich lachen oder weinen soll 🙂
    Abgesehen davon, dass ich nicht ständig auf Reisen bin, befinde ich mich in einer ähnlichen Lage.
    Aber hey, das liegt nicht an uns 🙂
    Alles Liebe
    Anne

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  2. Mario

    Das Gleiche gibts übrigens auch in umgekehrter Konstellation.
    Ich wünsche dir eine tolle Reise nach Südafrika, lass dich einfach treiben. Aber bitte, bitte, komm irgendwann wieder zurück. Der Partnerrequest für deinen ersten Flug im April ist schon fest eingeplant – your call 🙂
    Drück dich!
    Mario

    Antworten
    1. Franzi Artikelautor

      Das weiß ich doch, lieber Mario.
      Danke dir. Wünsche dir ein paar tolle Flüge – leider ohne mich.
      Partnerrequest für April ist schon fest eingeplant? LAX???
      Liebe Grüße
      Franzi

      Antworten
  3. Lea Herter

    Liebe Franzi,
    ich selbst bin ja eher der Standardurlauber – also so zwei bis dreimal im Jahr.
    Das Problem, das du beschreibst, kenne ich aber sehr gut, deshalb kann ich mich auch extrem mit deinen Worten identifizieren. Ich denke, das ist einfach die Krux unserer heutigen Zeit, mit ihren tausend Möglichkeiten und Wegen, die wir einschlagen können. Manchmal beneide ich auch die Menschen, die sich von Anfang an für einen entschieden haben.
    Liebste Grüße
    Lea

    Antworten
    1. Franzi Artikelautor

      Hi Lea,
      das sehe ich ganz genauso. Dieses Überangebot macht mich verrückt – und ich rede hier leider nicht von Männern haha 🙂
      Liebe Grüße
      Franzi

      Antworten
  4. Els M.

    So recognizable! How I sometimes wish too that this restlessness would go away and I could indeed just be happy with a house-garden-job situation. It would be so much easier. And don’t get me started on the male front 🙂

    Antworten
    1. Franzi Artikelautor

      Hi Els,
      I feel like most bloggers and full time travelers are sort of in the same boat…
      Wishing you all the best
      Franzi

      Antworten
  5. Emma M.

    Franzi, du sprichst mir aus der Seele!
    In meiner Zeit als digitale Nomadin habe ich wirklich viele tolle Erfahrungen gemacht. So ganz langsam stellt sich bei mir aber der Wunsch ein, endlich wieder eine Heimat zu haben. Manchmal denke ich mir sogar, dass ein geregelter Job mal wieder gar nicht soo schlecht wäre.
    Liebe Grüße
    Emma

    Antworten
  6. Die Ratte

    Wo ist der Teil plötzlich hin, in dem Du mich zurecht als Stalker bezeichnest? 😉

    Ich habe nie behauptet, dass ich kein Depp bin – aber selten war ein Satz liebevoller gemeint als der, der mich zum virtuellen Ziel deiner Latte gemacht hat.

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  7. Thuy

    Bin gerade beim durchguggen auf deiner Seite auf diesen Beitrag gestoßen.
    Das hast du soo wundervoll geschrieben liebe Franzi. 🙂
    Konnte mich auch in einigen deiner Beschreibungen assoziieren.
    Ich bin mir dennoch sicher das einige die sich für die andere Option entschieden haben (Familie, Haus, etc.) dich dafür beneiden, das du so viel wundervolles auf der Welt mitnimmst. Bleib am Ball und so wie du bist.
    Ich durfte dich als ganz tollen Menschen kennen lernen.
    Fühl dich gedrückt.

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