Kitelandboarding Berlin: Ein Interview mit der Kiteschule

Kitelandboarding am Tempelhofer Feld

Meine Zeit in Berlin neigt sich dem Ende zu. Schon am Montag sitze ich im Flieger in Richtung Fuerteventura, wo ich die nächsten Wochen verbringen werde. Leider hatte ich bisher kaum Zeit, Berlin ausgiebig zu genießen. Eine Sache durfte ich mir aber trotzdem auf keinen Fall entgehen lassen: Das Kitelandboarding Berlin am Tempelhofer Feld.

Kitelandboarding Berlin: Das Tempelhofer Feld

Kitelandboarding Berlin: Berlin Tempelhof

Kitelandboarding Berlin: Die ehemalige Landebahn wird gerne zum Skaten genutzt.

Das Tempelhofer Feld ist die ehemalig Start- und Landebahn des Flughafens Tempelhof. Seit dem 8. Mai 2010 ist die riesige Grünfläche für alle Besucher zur freien Nutzung geöffnet. Meiner Meinung nach ein unglaublicher Luxus in dieser oft so hektischen, lauten und viel zu engen Stadt.

 

Kein Wunder also, dass viele Berliner das Tempelhofer Feld für Freizeitaktivitäten aller Art nutzen. Dazu gehören zum Beispiel Fahrradfahren, Joggen, Skaten oder Drachen steigen lassen. Ein Sport hat mich aber ganz besonders neugierig gemacht: Das Kitelandboarding, unter dem ich mir bisher immer nur wenig vorstellen konnte.

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Kurzentschlossen habe ich mich deshalb mit Tim Retzlaff verabredet – dem Besitzer der Berliner Kiteschule. Tim ist lizenzierter Kitesurflehrer und unterrichtet täglich auf dem Tempelhofer Feld Kitelandboarding. Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene gibt es inklusive Material bereits ab 59 Euro (zwei Stunden).

Hi Tim, erzähl doch einfach mal, wer du bist und wie du zum Kitelandboarding gekommen bist.

Ich bin Tim Retzlaff aus Berlin. Ich habe Ende der 80er Jahre mit dem Kitelandboarding angefangen und mir den Sport mit ein paar Bekannten selbst beigebracht. Ein paar Jahre später habe ich meinen ersten Kitesurf-Kurs an der Ostsee gemacht und einige Zeit geübt.

Kitelandboarding Berlin: Kiteschule Berlin

Kitelandboarding Berlin: Tim von der Berliner Kiteschule beim Unterricht.

 Danach ging es weiter mit einem Praktikum in einer VDWS-Kitesurf-Schule, wo ich zuerst den Wassersport-Assistentenschein und dann den Kitelehrer-Schein erworben habe. Die nächsten zwei Jahre war ich Kitesurf-Lehrer auf Rügen. Im November 2011 habe ich dann die Berliner Kiteschule eröffnet.

 

Wir bieten das ganze Jahr über Kitelandboarding-Kurse und im Winter auch Snowkite-Kurse in Berlin an. Von Mai bis Ende September sind wir auf Rügen, wo wir Kitesurfen unterrichten.

 Was genau ist Kitelandboarding und was ist der Unterschied zum Kitesurfen?

Beim Kitelandboarding lässt sich der Sportler auf einem größeren Skateboard mit luftgefüllten Gummirädern ziehen. Das Board nennt sich Mountainboard oder ATB (All Terrain Board). Wie beim Kitesurfen wird man auch hier von einem Drachen gezogen – allerdings über Wiesen, Asphalt oder harten Sand.

 

Kitelandboarding ist eine gute Alternative zum Kitesurfen. Vor allem deshalb, weil man den Sport auch in der Stadt betreiben kann und nicht extra ans Meer fahren muss.

 Ist Kitelandboarding schwerer oder leichter als Kitesurfen?

Berliner Kiteschule

Das sieht doch schon gut aus.

Kitelandboarding ist leichter zu erlernen als Kitesurfen. Wir starten im Stehen und müssen zuerst nur den Kite auf zwölf Uhr im Zenit parken. Dann stellen wir uns einfach auf das Board, richten es aus und können dann relativ einfach losfahren.

 

Beim Kitesurfen wird im Sitzen und aus dem Wasser gestartet. Man muss den Kite also viel besser dosieren. Wenn man ihn zu tief zieht, fällt man über das Board. Zieht man nicht tief genug, kommt man erst gar nicht zum Stehen.

 

Kitelandboarding eignet sich also auch, um Vorerfahrung für das Kitesurfen zu sammeln. Ich hatte schon viele Kursteilnehmer, die auf dem Land angefangen haben. Die sind dann im Wasser wesentlich schneller zum Fahren gekommen, weil sie das Kitehandling schon geübt hatten.

Wer beim Kitelandboarding stürzt, fällt nicht ins Wasser sondern auf harten Boden. Macht das den Sport gefährlicher?

Natürlich ist die Unfallgefahr im Wasser nicht so hoch wie auf dem Land. Die Todesursache Nummer eins beim Kitesurfen ist allerdings ertrinken – das fällt beim Kitelandboarding schonmal weg.

Kann Kitelandboarding das klassische Kitesurfen ersetzen oder ist es für dich eher eine Notlösung, wenn gerade kein Wasser da ist?

Kitelandboarding Berlin

Kitelandboarding Berlin: Vor dem Fahren wird das richtige Kitehandling geübt.

 Für mich ist Kitelandboarding eher eine Alternative zum Surfen, die aber auch sehr viel Spaß macht. Allerdings ist der Wind auf dem Land immer etwas böiger und nicht so konstant wie auf dem Wasser.

 

Mir persönlich macht das Kitesurfen zwar am meisten Spaß. Wenn ich aber keine Zeit habe, an die Ostsee zu fahren, fahre ich auch gerne hier auf der Wiese.

Für wen ist Kitelandboarding geeignet? Kann den Sport grundsätzlich jeder betreiben?

Man sollte körperlich fit sein und ein gesundes Reaktionsvermögen haben. Mit kleinen Kites ist Kitelandboarding ab ca. 35 bis 40 Kilogramm Körpergewicht möglich – ich habe auch häufig Kinderkurse.

 

Ansonsten kann eigentlich jeder bis ins hohe Alter diesen Sport betreiben. Mein ältester Kursteilnehmer war zum Beispiel 72 Jahre alt.

Wie lange dauert es ungefähr, bis ich als Anfänger die ersten Meter fahren kann?

Auf dem Land geht das relativ schnell. Oft bringe ich meine Schüler schon in zwei Stunden zum Fahren. Beim Kitesurfen würde ich aber mindestens einen Zwei-Tages-Kurs empfehlen, damit man auch zum Surfen kommt.

Mach doch mal ein bisschen Werbung für deinen Sport. Warum sollte ich Kitelandboarding unbedingt einmal ausprobieren?

Kitelandboarding ist eine Mischung aus Skaten und Fliegen. Es gibt sehr viele Tricks und Sprünge, sodass eigentlich nie Langeweile aufkommt. Ich mache das jetzt auch schon ein paar Jahre und kann immer noch üben. Außerdem kann man beim Kiten sehr gut abschalten – ein bisschen wie beim Angeln. Ganz wie man möchte kann man gemütlich hin- und herfahren oder mit richtig viel Action boarden. Gerade die Sprünge machen sehr viel Spaß. Die sollte man aber immer erst auf dem Wasser üben und dann erst auf dem Land.

 

 

 

 

 

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