20 schlaue Reisetipps an mein 20-jähriges Ich

Reisetipps an mich - mein 20-jähriges Ich

Vor ein paar Tagen sind mir meine alten Neuseeland-Bilder in die Hände gefallen – tief vergraben auf einer uralten Festplatte. Und ich muss ehrlich sagen, dass sie mich ein bisschen zum Nachdenken gebracht haben. Denn so sehr ich meine erste lange Reise auch genossen habe, im Nachhinein hätte ich ein paar Dinge gerne anders gemacht. Aber aus Fehlern lernt man schließlich und deshalb gibt es heute 20 Reisetipps für mein 20-jähriges Ich – und für alle, die selbst vor ihrer ersten großen Reise stehen.

1. Mach langsam 

Du muss nicht jeden Felsen, jedes historische Gebäude und jeden Wasserfall auf diesem Planeten anglotzen. Der Spruch „Kennste einen, kennste alle.“ ist in diesem Zusammenhang vielleicht ein bisschen übertrieben. Aber oft macht es einfach mehr Spaß, ein bisschen Zeit in Cafés, Yogastudios und mit Einheimischen zu verbringen, anstatt den ganzen Tag quer durch den Dschungel zu rennen. 

2. Geiz ist ungeil

Das gilt vor allem für Touren. Mach lieber weniger und achte darauf, dass sie nachhaltig und individuell organisiert sind. Hier gilt meistens: Je billiger, desto mehr Massenabfertigung. Das gleiche Prinzip lässt sich leider in 90 Prozent der Fälle auch auf Hostels und andere Unterkünfte anwenden. 

3. Elefantenhosen sind nie cool 

Wenn du dich nicht auf den ersten Blick als Touri outest, wirst du dich im neuen Land viel schneller zuhause fühlen. Überlass die Elefantenhosen den Hardcore-Backpackern und schau lieber, wie sich die Einheimischen anziehen. In Asien sehen die Mädels oft sehr schick und elegant aus – vor allem abends beim Ausgehen. Willst du wirklich in Flodderhosen und Wanderschuhen daneben sitzen?

4. Hör endlich auf mit dem Bus zu fahren

Es tut mir leid, dir das sagen zu müssen – aber lange Busfahrten werden für dich immer in einem Desaster enden. Von daher: Lass es einfach. Du wirst dich jedes Mal übergeben und wie ein verheultes Häufchen Elend an deinem Ziel ankommen. Danach brauchst du erstmal drei Tage, um dich von den Strapazen zu erholen. Zum Glück wirst du irgendwann als Flugbegleiterin arbeiten und in den Genuss des Standby-Fliegens kommen – auch wenn du für deinen ökologischen Fußabdruck vermutlich in der Hölle landest. 

5. Tiertourismus ist immer scheiße

Der Tiger liegt da nicht freiwillig und auch die Schlange hat keinen Bock, an deinem Hals zu hängen. Auch wenn du deine Freunde so gerne mit coolen Selfies beeindrucken willst: Verschwinde so schnell wie möglich, wann immer ein Tier zu einer völlig verhaltensfremden Handlung gezwungen wird. Neben betäubten Tigern und Schlangen gilt das auch für Reit- und Showelefanten, Affen und die völlig lethargischen Hunde in asiatischen Themencafés. 

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6. Lass die Finger von dem heißen Franzosen 

Leider wirst du es noch viele Male auf die harte Art lernen müssen: Wenn ein Typ zu gut scheint, um wahr zu sein, dann ist er es meistens auch. Ein gebrochenes Herz am anderen Ende der Welt ist ein Albtraum und kann dir die Reise so richtig vermiesen. Hör auf dein Bauchgefühl und verzichte lieber, wenn du das Gefühl hast, dass irgendwas faul ist. 

7. Kalter Kaffee schmeckt nicht

Beziehungen, die sich auf Reisen entwickelt haben, funktionieren zu Hause nicht. Keine Ahnung, ob das eine allgemein gültige Regel ist – auf dich trifft sie jedenfalls zu hundert Prozent zu. In deinem 23. Lebensjahr wird ein gut aussehender Australier vor deiner WG-Türe stehen, den du am Bondi Beach kennengelernt hast. Leider wird sich der coole, durchtrainierte Surfer nicht mal 24 Stunden später in ein verweichlichtes Muttersöhnchen verwandeln. Tu dir also selbst einen Gefallen, und schlag ihm die Tür vor der Nase zu.

8. Wenn du keinen Bock auf einen Rucksack hast, dann lass es 

Leider wirst du dich noch viele Jahre mit einem Rucksack abquälen, weil du glaubst, dass Backpacker eben mit Rucksäcken unterwegs sein müssen. Du wirst Stunden mit frustrierenden Such- und Wühlaktionen verbringen, vor Schulter- und Rückenschmerzen heulen und nicht nur einmal bestohlen werden. Erst viel später wirst du auf einen stabilen, mittelgroßen Trolley umsteigen, den du bequem neben dir herschieben und gleichzeitig als Safe benutzen kannst. 

9. Reise lieber solo als in schlechter Gesellschaft

Du wirst dich noch oft darüber ärgern, dass du so viel kostbare Lebenszeit an Menschen verschwendet hast, mit denen du eigentlich überhaupt nichts anfangen kannst. Höchste Zeit also, die vollkommen unbegründete Angst vor dem Alleinreisen endlich abzulegen. In ein paar Jahren wirst du zurückblicken und sehen, dass du viele deiner schönsten Reisemomente nur mit dir selbst verbracht hast. 

10. Es ist ok, alleine in ein Restaurant zu gehen 

Was dir jetzt noch undenkbar scheint, wird in ein paar Jahren ganz normal für dich sein. Auf deinen vielen, vielen Soloreisen wirst du merken, dass es vollkommen ok ist, alleine in ein Restaurant zu gehen. Am Anfang fühlt es sich vielleicht ein bisschen komisch an – aber nach viel zu vielen 7-Eleven-Snacks zum Abendessen wird dir das irgendwann vollkommen egal sein. 

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11. Ja, auch in eine Bar

Ok, das ist schon eine Übung für Fortgeschrittene. Gerade bewunderst du nur diese mega coolen Frauen, die sich abends alleine in eine Bar setzen und dort einen Drink bestellen. Aber glaub mir, bald wirst du selbst eine von ihnen sein. Aber übertreib es nicht mit der Coolness. Denn so sehr du dich auch anstrengst – Whiskey wird dir niemals schmecken. Also schmeiß dein Geld nicht zum Fenster raus und bestell dir lieber einen leckeren Cocktail. 

12. Gönn dir ein bisschen Privatsphäre 

Ich weiß, du bist die meiste Zeit total abgebrannt. Aber gönn dir trotzdem öfter mal ein Einzelzimmer im Hostel oder auch ein nettes Hotelzimmer. Es könnte sonst passieren, dass du dauerhaft an einem medizinisch nicht anerkannten Leiden namens „Menschenhass“ erkrankst. Du weißt es vielleicht noch nicht, aber in Wahrheit bist du ziemlich introvertiert – auch wenn du das meistens ganz gut überspielen kannst. 

13. Es gibt so viel Wichtigeres als deinen Lebenslauf

Du machst dir viel zu viele Gedanken darüber, was deine Auszeiten für deine weitere berufliche Laufbahn bedeuten könnten. Die Wahrheit ist aber: Es wird dich niemand danach fragen. Bis auf den einen Vorgesetzten, der deine ständigen Reisen „unglaublich beneidenswert“ findet und deine vielen Kollegen, die sich von dir permanent Tipps für ihren nächsten Urlaub holen. 

14. Bleib du selbst 

Ich weiß, du bewunderst diese unabhängigen Frauen, die sich scheinbar Null für Schuhe, Klamotten und andere Äußerlichkeiten interessieren. Aber du liebst nunmal Mädchenkram und wirst es niemals schaffen, den Inhalt deines Kosmetikbeutels auf Handgepäckgröße zu reduzieren. Also schlepp weiter dein Glätteisen durch die Gegend und lass dir im Thai-Spa die Nägel lackieren – du wirst nur glücklich werden, wenn du dir selbst treu bleibst. 

15. Daheim ist es leichter, Geld zu verdienen

Ein kleiner Tipp für dein Work-and-Travel-Jahr in Neuseeland: In Deutschland verdienst du definitiv mehr Geld mit weniger grauenhaften Jobs. Bleib lieber noch ein paar Monate daheim und spare möglichst viel Geld an, sodass du die meiste Zeit reisen kannst. Spätestens wenn du nachts um drei in Rekordzeit Kiwis in eine Box stopfen und in einer Recyclingfabrik Pfandflaschen durch die Gegend schmeißen musst, wirst du an meine Worte denken. 

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16. Kotzen geht immer 

Es ist vollkommen egal, ob du auf dem Markt oder in teuren Restaurants zu Abend isst: Das große Kotzen kann dich immer und überall erwischen. Zum Beispiel wirst du vier Tage ohne Probleme in Mexiko vom Straßenrand essen und am letzten Abend nach einem Dinner im Grand Hyatt über der Kloschüssel hängen. Verzichte also nicht auf Streetfood – es ist günstig, lecker und macht einfach viel mehr Spaß. 

17. Wahre Freunde bleiben erhalten

 Während deiner vielen Reisen wird sich deine Freundesliste zwangsläufig ausdünnen. Es ist einfach nicht leicht, über viele tausend Kilometer Kontakt zu halten. Das wird dir erst ein bisschen Angst machen. Aber irgendwann wirst du merken, dass das Ganze einen entscheidenden Vorteil hat: Denn die, die übrig bleiben, sind deine wahren Freunde. True Story.

18. Probleme lösen sich nicht in Luft auf 

Du wirst noch oft auf Reisen gehen, um vor deinen Problemen davonzurennen. Das klappt erstmal ganz gut. Aber wenn du dann zurück kommst, treffen sie dich oft härter, als wenn du dich ihnen direkt gestellt hättest. Reisen ist kein universaler Problemlöser. Aber definitiv eine Chance, dich grundlegend mit dir selbst auseinanderzusetzen und herauszufinden, was du im Leben wirklich willst. 

19. Be careful what you wish for 

Eigentlich ist es zu spät, dir diesen Rat zu geben – denn du hast dich längst mit dem Reisevirus infiziert. Leider muss ich dir sagen, dass dein ständiges Fernweh dein Leben nicht nur bereichern wird. Du wirst wunderschöne Orte kennenlernen und Erfahrungen machen, von denen andere nur träumen können. Aber du wirst auch Einsamkeit, Rastlosigkeit und Verzweiflung in einer Form erleben, die du niemals für möglich gehalten hättest. 

20. Melde dich bei Instagram an

Last but not least, liebes 20-jähriges Ich: Melde dich verdammt nochmal auf der Stelle bei Instagram an. Denn nur wenn du zu den Dinosauriern unter den Usern gehörst, haben wir beide eine Chance, in der Zukunft reich und berühmt zu werden. (Notiz an mein 29-jähriges Ich: Sofort auf den nächsten Social-Media-Zug aufspringen, der an dir vorbeifährt!)

Welche Reisetipps habt ihr an euch selbst?

Vielleicht habt ihr ein bisschen praktischere Tipps erwartet. Aber schon mein 20-jähriges Ich hat sich mehr für Liebe, Klamotten und großartige Erfahrungen als für Packlisten und Handgepäcksregeln interessiert. Was würdet ihr euch selbst raten, wenn ihr morgen in eine Zeitmaschine steigen und euer früheres Ich treffen könntet? Ich bin neugierig, erzählt es mir!

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Die Bilder stammen von meinem Freund Sev von The Walking Giant. Tausend Dank!

11 Gedanken zu „20 schlaue Reisetipps an mein 20-jähriges Ich

  1. Gina H.

    Liebe Franzi,
    manchmal weiß ich bei deinen Artikeln nicht, ob ich lachen oder weinen soll – oder beides 🙂
    Ich kann mich so sehr mit dem identifizieren, was du schreibst. Besonders die Elefantenhosen haha.
    Lieben Gruß
    Gina

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  2. Ani

    Haha! Kann in vielem zustimmen, vor allem Punkt 7 und 16 – Letzteres ist mir genauso in Indien passiert und ich dachte mir: wtf…
    Bis morgen! 🙂

    Antworten
    1. Franzi Artikelautor

      Hi Ani,
      haha ja, immer wieder in Indien 🙂
      Ich freue mich riesig auf unser Wiedersehen morgen!
      Liebe Grüße
      Franzi

      Antworten
  3. Anne-Marie

    Ich stimme dir in vielen Punkten total zu, liebe Franzi.
    Wenn ich nochmal zurückreisen könnte, würde ich meine Reisen vielleicht noch ein bisschen entspannter genießen. Ich hab mir immer viel zu viele Gedanken über das Morgen gemacht und dachte, ich müsste alles planen – das hat mich irgendwie beruhigt.
    Heute weiß ich, dass sich alles auch ohne große Planung immer und irgendwie ergibt.
    Alles liebe
    Anne

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    1. Franzi Artikelautor

      HI Anne,
      da bin ich total bei dir. Ich vergesse manchmal immer noch, den Moment zu genießen – weil ich im Kopf schon zehn Schritte weiter bin.
      Liebe Grüße
      Franzi

      Antworten
    1. Franzi Artikelautor

      Hi Martha,
      vielen Dank – die schreibe ich auch ehrlich gesagt am liebsten. Nur Google mag sie nicht 🙂
      Liebe Grüße
      Franzi

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  4. Miriam

    So ein wahrer Artikel, hat mich sehr zum schmunzeln gebracht! Vor allem 1, 13 und 15 haben lange gedauert bis ich es verstanden hab bzw. eingesehen hab

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  5. Danny

    Sehr unterhaltsam zu lesen. Ich glaube der Franzose erinnert mich da an was 😉 Das mit Instagram ist leider wahr. Ich kann mir gut vorstellen, dass einige reisen, um auch von den Problemen erstmal wegzukommen. Was aber grundsätzlich nicht schlecht ist, da man dann vllt. einen neuen Blick bekommt und etwas Abstand hat davon. Vielleicht sind die Probleme am Ende gar nicht mehr so schlimm, aber auflösen werden sie sich natürlich nicht. Mal sehen was die 40 Jährige dann der 30 Jährigen gerne gesagt hätte 😉

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