Warum ‚Hamsterrad‘ das Unwort des Jahres werden muss

Vor dem Guggenheim Museum in Bilbao

Es gibt da dieses eine Wort, das in mir derartige Aggressionen auslöst, dass ich als friedliebender Mensch beinahe selbst vor mir erschrecke. Ein Wort, das in der deutschen Reisebloggerszene leider so oft vorkommt, wie kaum ein anderes in der deutschen Sprache. Ein Wort, das mich sofort dazu verleitet, den Verfasser aus sämtlichen Social-Media-Kanälen und Feeds zu katapultieren. Das Wort lautet Hamsterrad. Und ich hasse, hasse, hasse es!

Was hat das Hamsterrad verbrochen?

Ich habe lange überlegt, warum mich das Hamsterrad schon so viele Nerven gekostet hat. Denn dass es tatsächlich existiert, möchte ich gar nicht bestreiten. Viele Menschen arbeiten sich Tag für Tag halb zu Tode, nur um irgendwann von Burnout, Krankheit oder ganz einfach ihrem Alter zurück in die Realität katapultiert zu werden. Und wenn sie dann zurückblicken, fällt ihnen bestimmt so einiges ein, was sie in ihrem Leben verpasst haben. Zum Beispiel Momente mit der Familie, die sie nicht miterleben konnten, weil sie zu beschäftigt waren, der nächsten Beförderung hinterherzujagen. Oder die vielen Reisen, die nun nur noch eingeschränkt möglich sind. Vielleicht auch der gesunde Lifestyle, den sie eigentlich gerne geführt hätten oder das Buch, das sie schon immer schreiben wollten.

Was mich viel mehr ärgert, ist die inflationäre Verwendung des Hamsterrades – um das eigene Leben als besser, einzigartiger und erstrebenswerter darzustellen, als das der vielen kleinen Arbeitsbienen, die in ihren Nine-to-Five-Jobs 40 Stunden pro Woche an ihrem Schreibtisch sitzen. Mich ärgert die Arroganz, die in den typischen „In zehn Schritten raus aus dem Hamsterrad“-Artikeln steckt. Denn hier wird die Situation der arbeitenden Bevölkerung als unerträglich dargestellt. So, als müsste sie umgehend radikal geändert werden.

Hamsterrad: Aussicht vom Seoul Tower

Freigeist vs. Hamsterrad: Warum diese Trennung Blödsinn ist

Erst letzte Woche traf ich mich mit einem ehemaligen Arbeitskollegen zum Frühstück. Als wir uns kennenlernten, war er Single. Er war unabhängig und planlos – aber glücklich. Nun ist er verheiratet und hat drei wunderbare Kinder. Er ist gebunden und gestresst – aber glücklich. Auf meine Frage, ob er seine Entscheidung jemals bereut hätte, antwortete er ohne eine Millisekunde zu zögern mit einem klaren „Nein“.

 

Früher konnte er reisen und um die Häuser ziehen, ohne irgendjemandem Rechenschaft abzulegen. Heute ist er vom Gehalt abhängig, das Monat für Monat auf seinem Konto eintrudelt – denn seine Kinder möchten Essen, Spielzeug, Kleidung und auf Klassenfahrt. Er ist von seiner Wohnung abhängig – denn entgegen aller romantischen Vorstellungen finden es Kinder irgendwann nicht mehr cool, in einem Wohnmobil durch die Weltgeschichte gekarrt zu werden. Er ist von der Sicherheit abhängig, die ihm das so genannte Hamsterrad bietet – denn genau die lässt ihn nachts ruhig schlafen und abends mit einem breiten Grinsen im Gesicht zu seiner Familie nach Hause kommen.

 

Ich selbst bin das genaue Gegenteil. Ich war schon immer unglaublich freiheitsliebend, opportunistisch, fernwehgeplagt und in einem gewissen Rahmen vielleicht auch egoistisch. Denn ich bin (noch) nicht bereit, meine Freiheit für einen festen Job, Kinder und eine Familie aufzugeben. Noch nicht einmal teilweise. Ich bin das, was man gerne als „aus dem Hamsterrad ausgebrochen“ bezeichnet. Aber fühle ich mich deshalb in irgendeiner Weise überlegen? Mit Sicherheit nicht.

Hamsterrad: Rainbow Beach in Australien

Leben und leben lassen – ist das wirklich so schwer?

Und das ist es auch, was mich am Hamsterrad so sehr stört. Die Menschen, die mit diesem Wort so inflationär um sich werfen, bezeichnen sich gerne als digitale-unabhängige-analoge-vegane-yoga-zen-whatever-Nomaden. Aber um wirklich glaubhaft zu wirken, fehlt vielen von ihnen in meinen Augen eine entscheidende Eigenschaft: Toleranz.

 

Toleranz dafür, dass es nicht für jeden Menschen erstrebenswert ist, mit dem Rucksack um die Welt zu reisen. Toleranz dafür, dass der ein oder andere ein Reihenhaus in der Vorstadt dem Zehn-Bett-Dorm in Südostasien vorzieht. Und Toleranz dafür, dass Menschen bereit sind, aus Liebe zu Familie, Freunden, Heimat oder (man soll’s kaum glauben) dem Job ein Stück ihrer Freiheit abzugeben.

 

Für viele Hamsterrad-rufende Kollegen mag es undenkbar sein, dass ein Mensch in seinem Nine-to-Five-Job vollkommen aufgeht. Dass er freiwillig Überstunden leistet, weil ihn das aktuelle Projekt so sehr begeistert, dass er es unbedingt erfolgreich über die Bühne bringen möchte. Dass für ihn Karriere, die Familie oder auch die Kombination aus beidem ein so spannendes Abenteuer ist, dass er beim Gedanken an Weltreisen, Himalaya-Trekking und Yoga-Camps in Indien nur müde lächeln kann.

Hamsterrad: Dominikanische Republik Blick auf die Halbinsel Samana

Fazit: Mach dein Leben niemals kleiner, als es ist

Mit diesem Artikel möchte ich deshalb an euch appellieren, ganz einfach das zu tun, was euch glücklich macht. Ein festes Einkommen ist euch nicht so wichtig und ihr möchtet lieber etwas von der Welt sehen? Dann kündigt euren Job, schnappt euch einen Rucksack und steigt in den nächsten Flieger. Ihr geht gerne ins Büro, mögt die Routine und legt viel Wert auf Familie und Sicherheit? Dann genießt euren Alltag zu Hause – denn hier gibt es garantiert genauso viel zu erleben. Lasst euch nicht einreden, dass euer zweiwöchiger Familienurlaub in Italien weniger Wert ist als die sechswöchige Backpacking-Tour durch Thailand. Denn schließlich kommt es auf die Menschen an, mit denen man die Zeit verbringt und darauf, wie bewusst man jeden Moment erlebt.

 

Stellt also nicht euer ganzes Leben in Frage, wenn mal wieder ein Blogger oder Redakteur über den Ausbruch aus dem Hamsterrad schwadroniert. Denn auch wenn ihr mit eurem Leben mal unzufrieden seid, ist es nicht immer und schon gar nicht für jeden die richtige Lösung, direkt alles über den Haufen zu werfen. Und um den ganzen Artikel in einem Satz zusammenzufassen: Macht euer Leben niemals kleiner, als es ist!

Hamsterrad: Rainbow Beach in Queensland, Australien

 

40 Gedanken zu „Warum ‚Hamsterrad‘ das Unwort des Jahres werden muss

  1. Moritz

    Hi Franzi,

    … – mehr kann man eigentlich nicht zu deinem Artikel sagen. Du hast voll kommen recht. Ich finde auch das einfach jeder so leben sollte wie er will.

    Ich glaub sogar, dass viele Autoren (nicht alle) gar nicht so glücklich, über das ausbrechen aus diesem „Ham….ad“ sind. Sonst würden Sie doch nicht immer und überall darüber schreiben. Ab und zu hat man das Gefühl, dass Sie sich selbst nur einreden wollen das Sie total glücklich sind und dies der perfekte Lebensstil ist.
    Die, die nicht über dieses Thema schreiben sind meiner Meinung nach genau die zu denen es wirklich passt.

    Gruß Moritz

    Antworten
    1. Franzi Artikelautor

      Hi Moritz,

      ja, das Gefühl hatte ich auch schon öfter :-). Ich habe selbst im Juni meinen Job gekündigt, um mich selbständig zu machen. Und so schön die Freiheiten auch sind, es gibt mindestens genauso viele Nachteile. Stress, riesiger Workload, Behördenchaos und Geldsorgen sind nur ein paar davon. Seit Januar habe ich nun wieder ein festes Teilzeit-Einkommen, seitdem schlafe ich direkt viel ruhiger 🙂 .

      Liebe Grüße
      Franzi

      Antworten
  2. Ina

    Ein toller Artikel der mir aus der Seele spricht! Mir geht dieses Hamsterradgerede auch ziemlich auf den Keks. Und wenn man sich das ganze mal genauer ansieht, dann sind viele nur von einem ins andere Hamsterrad gesprungen. Denn die sogenannten Digitalen Nomaden sitzen bestimmt Stunden am Rechner um ihre ganzen Projekte zu verwirklichen und ihr leben zu finanzieren.
    Wie du sagst, jeder soll sein Leben so leben wie er will, hauptsache er ist glücklich. Und keiner hat das recht, den Lebensstil eines anderen zu verurteilen.
    Lieben Gruß

    Ina

    Antworten
    1. Franzi Artikelautor

      Vielen Dank, liebe Ina. Das sehe ich genauso. Ich habe prinzipiell überhaupt nichts gegen diese Artikel und hole mir selbst gerne Inspiration. Jeder kann schließlich das gut finden, was er will. Mich ärgert es nur unglaublich, dass alle „Andersdenkenden“ bzw. alle, die einfach nicht die gleichen Möglichkeiten haben, als Mitläufer, Langweiler, etc. dargestellt werden. Zum Teil in drastischen Worten, die ich schon fast unverschämt finde.

      Liebe Grüße
      Franzi

      Antworten
  3. Tatiana

    Über das „Hamsterrad“ bin ich mittlerweile auch schon zu oft gestolpert… Alles hinschmeißen kommt mir gerade vor wie ein neuer Trend, das war mir noch gar nicht so bewusst. Aber das geht bestimmt auch wieder vorbei, so ein Hamsterrad hat ja bestimmt auch seine Vorteile. 🙂
    (Sag ich jetzt so schlau – und hab‘ doch selbst keine Ahnung 😉 )
    Liebe Grüße,
    Tatiana

    Antworten
    1. Franzi Artikelautor

      Hi Tatiana, ich bin auch gespannt, wie sich das in Zukunft entwickeln wird. Es können schließlich nicht alles aus dem Hamsterrad ausbrechen. Irgendeiner muss ja die vielen Wanderschuhe und Outdoorklamotten für die Aussteiger produzieren und dann muss es ja auch noch ein paar Airliner und Busfahrer geben, die sie durch die Weltgeschichte kutschieren 🙂 .

      Liebe Grüße
      Franzi

      Antworten
  4. Nora

    Ein sehr schöner Artikel wie ich finde!
    Das Wort Hamsterrad lese ich gefühlt 100 mal am Tag und da zweifle ich schon über den Einfallsreichtum so einiger Blogger, die einfach nur alles von anderen kopieren! Der Gebrauch dieses Wortes hat was vorwurfsvolles, dabei ist es nur die traurige Art und Weise, wie manche Blogger Aufmerksamkeit erhaschen wollen und dabei mit den Träumen und Sehnsüchten anderer Menschen spielen. Ich finde, jeder muss selbst wissen, was ihm im Leben glücklich macht.

    Antworten
    1. Franzi Artikelautor

      Vielen Dank, liebe Nora! Ich finde es ja grundsätzlich toll, wenn jemand den Lifestyle lebt, den er/sie sich schon immer erträumt hat. Aber andere Menschen immer wieder als Langweiler hinzustellen und zum Teil sogar Aussagen zu treffen wie „…oder bist du nur ein Mitläufer in einer breiten Masse?“ – da krieg ich wirklich so einen Hals 🙂 . Leben und leben lassen, das sollte doch als ultra-toleranter Weltenbummler nicht so schwer sein.

      Liebe Grüße
      Franzi

      Antworten
  5. Maik

    Toll geschrieben, Franzi, und voller (eigentlich selbstverständlicher, aber eben wenig verbreiteter) Weisheit. Ich bin schon ein paar Jahrzehnte länger auf der Welt um allen Guru-Verlautbarungen grundsätzlich zu misstrauen – natürlich auch in der anderen Richtung. Es gibt keine ewigen Weisheiten, weder allgemein noch im eigenen Leben. Und die VIELFALT über das eigene Leben gesehen ist auch ein Wert – das heißt, dass es am Ende gar kein Entweder-Oder geben muss. Nach viel Freiheit und Reisen kann eine eigen Familie z.B. auch ein Abenteuer sein.
    Viele Grüße

    Antworten
    1. Franzi Artikelautor

      Hi Maik, vielen Dank! Das sehe ich ganz genauso. Jedes Leben kann ein großes Abenteuer sein. Und ein toller Job bzw. eine tolle Familie sind mit Sicherheit genauso spannend, wie eine Weltreise mit dem Backpack.

      Liebe Grüße
      Franzi

      Antworten
  6. Rene

    Hi, ein sehr schöner Artikel. Ich dachte schon, dass die gesamte Jugend der „Digitalen Nomaden“ denkt, dass das einzig erstrebenswerte ist, nur um die Welt zu düsen und den eigenen Lebensstil als Allheilmittel sieht.

    Ich selbst habe eine tolle Home-Base, die ich nicht eintauschen würde wollen. Aus diesem Grund habe ich mich auch zum „Digitalen Teilzeit Nomaden“ entschieden. Du hast auch genau das Zauberwort gefunden, auf das es ankommt. TOLERANZ.

    Es gibt unterschiedliche Lebensgeschichten, Ziele, Motivationen und vor allem sollte man auch die Arbeit anerkennen, die ein Grossteil der Bevölkerung, auch in Bezug FÜR die Gesellschaft leistet. Dazu werden eben auch die Jobs benötigt, die Anwesenheit erfordern. Gäbe es keine 9to5 Jobs würden auch „reisende Digitale Nomaden“ ganz schön alt aussehen. Es würde kein Flugverkehr geben, man könnte nicht im Restaurant sitzen um Blog-Artikel zu schreiben, auch könnte nicht zwischen 9to5 auf´s Klo gehen.

    Nicht das wir uns falsch verstehen. Auch ich liebe es unabhängig von Zeit, Geld und Anwesenheitspflicht zu sein. Aber ich wertschätze die Arbeit anderer Menschen, die in ihren 9to5Jobs etwas für die Gesellschaft tun.

    Gerade war ich in Dubai. Wenn man sich dort mit dem Service-Personal beschäftigt, gehen einem auch die Augen auf. Ein indischer Chauffeur fliegt alle 3 Jahre von Dubai nach Indien, um seine Familie zu besuchen. Zwischenzeitlich arbeitet er in Dubai, um seine Familie mit Geld zu unterstützen und ihnen ein besseres Leben zu ermöglichen. Er hat eine Familie mit einer Tochter von 14 und einem Sohn von 9 Jahren. Er arbeitet noch länger als in einem 9to5 Job…

    Und ich glaube, dass ist es auch das ist, was Du mit Deinem Artikel und ich meine. Respekt, Anerkennung der Arbeit anderer Menschen sowie Toleranz. Man könnte auch sagen, einfach öfter einmal eine andere (Kunden-) Brille aufsetzen…

    Gruß René

    Antworten
    1. Franzi Artikelautor

      Hi René, vielen Dank, das freut mich wirklich sehr! Ich bin da sehr ähnlich eingestellt. Ich brauche auch meine Freiheit und kann mir aktuell nicht mehr vorstellen, in einem „normalen“ Job zu arbeiten. Aber wer weiß, vielleicht ändert sich das in ein paar Jahren wieder? Generell geht es mir einfach nur um das leben und leben lassen. Es gibt nunmal nicht DEN idealen Lebensentwurf, der für alle gleichermaßen gilt. Zum Glück sind wir Menschen verschieden und haben die unterschiedlichsten Möglichkeiten, uns zu verwirklichen.

      Der indische Chauffeur ist ein gutes Beispiel dafür, was für ein unfassbares Glück wir Deutschen eigentlich haben. Denn immerhin haben wir – zumindest in einem gewissen Rahmen – die Wahl und können uns selbst aussuchen, wie unser Leben aussehen soll. Diese Wahl sollte dann aber respektiert werden – denn meiner Meinung nach hat niemand das Recht, über ein fremdes Leben zu urteilen.

      Liebe Grüße
      Franzi

      Antworten
  7. Nele

    Wunderbarer Artikel, der mich zwischendurch auch sehr zum Schmunzeln gebracht hat! Obwohl ich mich auch nicht mit Familienleben, Reihenhaus und Apfelbaum anfreunden kann (am ehesten noch mit letzterem), finde ich es trotzdem toll, wenn Menschen genau mit diesem sesshaften Leben glücklich sind und nicht immer gleich unruhig werden, sobald Routine einkehrt.
    Vielen Dank für diese kritische Auseinandersetzung mit einem Hype, der „Andersdenkende“ manchmal ganz schön unter Druck setzen kann!
    Liebe Grüße
    Nele

    Antworten
    1. Franzi Artikelautor

      Hi Nele, vielen Dank! Mir geht es da ähnlich wie dir. Ich kann mir aktuell auch nicht vorstellen, meine Unabhängigkeit aufzugeben. Allerdings würde ich auch nicht ausschließen, dass sich das in ein paar Jahren mal ändert 🙂 . Leben und leben lassen – das kann doch nicht so schwer sein. Ich würde mir selbst nie anmaßen, über das Leben von anderen Menschen zu urteilen.

      Liebe Grüße
      Franzi

      Antworten
  8. Matt

    Hallo Franzi,

    APPLAUS, APPLAUS! Ich finde auch, dass hier die gewisse Portion Toleranz und Respekt fehlt, wenn es um das Zugrundetrampeln des „Hamsterrads“ geht.

    Mach‘ weiter so,
    Matt

    Antworten
  9. Artemis

    Hallöchen,

    was für ein toller Beitrag! Du hast sowas von recht! Ich kann es überall nur bejahen. Jedoch mit einem kleinen Aber! Diese Person die über das Hamsterrad schreibt, hat es zur Aufgabe gemacht, gerade den Schwerpunkt gerade auf diese Thematik zu legen, zwar nicht nur, aber es ist einer der großen Punkte. Es ist ja auch der Slogan dahinter.

    Mich nervt es phasenweise auch. Jedoch wenn ich mal die Muße habe lese ich mal einen Artikel und es inspiriert mich wieder dazu, mir den Teil herauszunehmen der für mich passt und stimmig ist, um gerade dort Veränderung hineinzubringen, wo es mich wurmt.

    Auch eine Festanstellung kann sehr schön sein. Und ja man kann von einem Hamsterrad ins nächste fallen, wer sagt denn das die Selbstständigkeit nicht auch ein Hamsterrad ist?

    Ich lese so oft, oh mann mein Job ist scheiße, ich überlege digitaler Nomade zu werden. Aber auch dieser Prozess muss durchdacht werden und geschieht nicht von heute auf morgen, auch wenn es im groben ständig davon geschwärmt wird. Viele Probleme nimmt man auch mit, vor denen man ja fliehen will!

    Jeder Artikel, ob über das Hamsterrad oder über digitales Nomadenleben oder was der Geier, ist ja nix was in Stein gemeiselt ist, sondern man soll oder muss sich für das herausziehen was stimmig ist. Es sind ja keine 10 Gebote.

    Ich halte auch die Person hinter diesem Blog nicht für verzweifelt, oder eine Maske, und man selber unglücklich im Leben ist (jeder darf aber gerne mal unglücklich sein!). Es ist einfach jemand der seinen Schwerpunkt im Blogbusiness gelegt hat und ich finde es gut. Denn man verbindet den Begriff Hamsterrad mit dieser Person auch. Wie ein Art Branding!

    Er hat mir persönlich mit seinen Artikeln sehr viel geholfen und anderen auch. Deswegen finde ich es persönlich nicht ganz ok, wenn hier jemand so negativ über ihn schreibt. Fühlt euch inspiriert durch die Artikel in Social Media, egal welche. Wir dürfen dabei alle gerne hin und wieder genervt sein und uns entabonnieren, dann lesen wir halt hier und da wieder über das gleiche Thema, wo jemand anderes das Wort Hamsterrad verwendet. 😉

    Antworten
    1. Franzi Artikelautor

      Hi Artemis! Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich deinen Kommentar richtig verstanden habe. Jedenfalls bezieht sich der Artikel auf keinen bestimmten Blogger/keine bestimmte Bloggerin. Deshalb weiß ich auch nicht so genau, wen du mit „ihn“ meinst?

      Ich hole mir auch selbst viel Inspiration von digitalen Nomaden und allen, die ihr Leben so leben, wie sie es sich schon immer gewünscht haben. Ich mag es nur nicht, den eigenen Lebensentwurf als besser und „Andersdenkende“ als Mitläufer, Langweiler, etc. hinzustellen. Jeder sollte das Recht haben, seinen eigenen Lebensentwurf zu wählen, ohne dafür von anderen Menschen kritisch beäugt zu werden .

      Liebe Grüße
      Franzi

      Antworten
  10. Sabine

    Hey Franzi,

    ich ziehe den Hut vor diesem Artikel! Ich gehöre zwar auch zu den Menschen die ihrer Festanstellung den Rücken gekehrt haben aber ich würde meinen Weg nie als den einzig wahren, perfekten und richtigen Weg für jeden Menschen betrachten! Jeder Mensch hat andere Bedürfnisse und Wünsche und ich finde es herablassend wenn ich die Lebensmodelle anderen Menschen als Käfig oder Hamsterrad bezeichnen würde. Mein altes Leben hat einfach nicht mehr zu mir gepasst ich wollte für mich etwas anderes. Aber nicht jeder sollt/muss seinen Job kündigen und mit Handgepäck durch die Welt reisen! Was wäre ich für ein Mensch, der sich einbildet, dass es nur den einen Weg gibt um glücklich und zufrieden zu sein!? Was würde ich mir für eine Selbstgefälligkeit raus nehmen. Aber du hast recht, ein paar Blogger da draußen vermitteln, dass nur Reisen „wirklich“ und „wahrhaft“ glücklich macht. Eine sehr elitäre Aussage wie ich finde…

    Antworten
    1. Franzi Artikelautor

      Hi Sabine, vielen lieben Dank, das freut mich wirklich wahnsinnig! Mir geht es ja ähnlich wie dir. Aktuell möchte ich auch nicht in meinen Bürojob zurück – obwohl es eine tolle Zeit und alles andere als langweilig oder gar schwer zu ertragen war. Aber wie du schon sagst, sind wir Menschen glücklicherweise verschieden. Und wir Deutschen/Europäer haben dazu noch das unglaublich Privileg, unseren Lebensentwurf selbst zu gestalten. Darum finde ich es wirklich nicht zu viel verlangt, die Entscheidungen der anderen ebenso zu respektieren, wie man selbst auch respektiert werden möchte.

      Liebe Grüße
      Franzi

      Antworten
  11. Petra

    Ich musste erst zweimal hinsehen bei deinem Titel 🙂 Weil ich beim ersten Hinsehen dachte, ach … schon wieder weiss jemand am besten, was für jeden anderen gut und richtig ist 😉
    Schön, dass ich ein zweites Mal hingeschaut habe und deinen Artikel gelesen habe! Ich kann dir nur voll und ganz zustimmen. Ich habe viele Jahre viele, viele Stunden pro Woche gearbeitet. Nicht, weil es jemand von mir verlangt hätte, sondern weil es mich begeistert hat. Noch vor einigen Jahren, habe ich mich gefreut nach 1 Monat Urlaub wieder zurück in die Arbeitswelt zu kommen.
    Vor 3 1/2 Jahren habe ich meinen Job gekündigt, weil ich einfach nur noch reisen wollte. Und das ist im Moment das richtige – für mich! Ich würde niemanden sagen, er müsse dasselbe tun.
    Das mit dem Hamsterrad berührt mich emotional nicht so sehr, weil ich das nie auf mich bezogen habe. Dafür hat es mich sehr emotional berührt, das Aussteigen von den gleichen Bloggern immer als Allheilmethode propagiert wird 🙂 und dazu habe ich dann auch einen Artikel geschrieben 🙂 …. so hat eben jeder seine roten Knöpfe 🙂 😀
    Liebe Grüße
    Petra

    Antworten
    1. Franzi Artikelautor

      Hi Petra! Das freut mich, dass du nicht direkt das Weite gesucht hast :-). Für mich ist es gerade auch perfekt, nur Teilzeit zu arbeiten und viel Zeit zum Reisen zu haben. Deshalb ist es eigentlich auch nicht wirklich das Hamsterrad, das an meinen Nerven sägt. Sondern eher die Art und Weise, wie wildfremde Menschen versuchen, ihre Art zu leben als die einzig erstrebenswerte darzustellen. Warum kann nicht einfach jeder so machen, wie er will. Dann wären alle glücklich und zufrieden :-). Liebe Grüße, Franzi

      Antworten
  12. Julia

    Ich glaube irgendwie nicht, dass die Hamsterrad-Artikel wirklich herablassend gemeint sind. Sie sollen denjenigen, die danach suchen, helfen. Wer dem Hamsterrad nicht entfliehen will, der wird diese Artikel auch nicht lesen, weil er gar nicht danach sucht. Andere wiederum wissen gar nicht, was sie wollen und werden sicherlich nicht davon überzeugt, nur weil jemand seine Meinung dazu schreibt.

    Es gibt ja inzwischen auch schon wieder gegenteilige Artikel, die eben von Sicherheit und co sprechen. Meine persönliche Meinung ist hier zu dem Thema irrelevant, aber ich bin mir nicht einmal selbst sicher, was ich genau will. Ich weiß nur, dass der eine letzte Job den ich hatte, mich quasi aus dem Hamsterrad geschmissen hat. Burnout. Ja. Ziemlich kacke. Sich danach selbst zu finden ist gar nicht so einfach. Verschiedene Artikel zu verschiedenen Lebensweisen zu lesen, finde ich da aber hilfreich um selbst mal zu sehen, was alles so geht. klar- diese ganzen Artikel von wegen „schreibe einen Blog und werde instant reich damit“ bringen reichlich wenig. Ich habe inzwischen 3 Blogs und bin alles andere als reich. Ich liebe es nur, meine Gedanken aufzuschreiben und wenn es dann noch jemand lesen will, umso schöner. Natürlich freue ich mich über Besucherzahlen etc aber man schafft sich doch damit auch irgendwie das eigene Hamsterrad? Dann ist es eben nicht grau und scheppert sondern ist hellblau und man hat ein paar Glöckchen dran geschraubt. – Jedem so wie er will. Und wenn jemand Inspiration zum Ausbruch aus dem Hamsterrad sucht, dann wird er sie finden. – Aber niemand zwingt ihn dazu.

    LG
    Julia

    Antworten
    1. Franzi Artikelautor

      Hallo Julia, meine Kritik ist in erster Linie auf diejenigen Artikel bezogen, in denen „normale“ arbeitende Menschen zum Teil als „Mitläufer in einer großen Masse“ bezeichnet und als langweilig dargestellt werden. Dass es das Hamsterrad wirklich gibt, möchte ich dabei gar nicht in Frage stellen. Dass es dich bis zum Burnout getrieben hat tut mir wirklich total Leid. Ich bin aktuell auch noch auf der Suche nach dem, was mich auf Dauer glücklich macht. Ich drücke uns beiden die Daumen, dass wir bald das Richtige finden :-). Liebe Grüße, Franzi

      Antworten
  13. Pooly

    Hallöchen,

    also ich kann dir da voll und ganz zustimmen. Endlich mal jemand der wie ich auch das GEFÜHL hat, dass diese ganzen digitalen Nomaden manchmal doch etwas arrogant WIRKEN (vielleicht sind sie ja auch nicht so).
    Das sind letzen Endes auch nur alles Ausnahmen, denn für einen Großteil der Menschen besteht nun einmal das Leben aus einem geregelten Job oder irgendwelchen Verpflichtungen.

    Für mich wäre so ein „geregeltes Leben“ mit Familie und so weiter auch (noch?!) nichts, aber ich kenne viele aus dem Freundes- und Bekanntenkreis die auf einmal Nachwuchs bekommen haben und Rucksack hat sich das Leben um 180 Grad gewendet.

    Antworten
    1. Franzi Artikelautor

      Hi Pooly, so sehr hätte ich das jetzt gar nicht verallgemeinert :-). Meine Kritik richtet sich eigentlich nur gegen diejenigen, die ihre Art zu leben als die einzig richtige propagieren und alle anderen als Mitläufer, Langweiler etc. hinstellen. Ansonsten finde ich digitale Nomaden eigentlich sehr inspirierend und könnte mir sehr gut vorstellen, selbst mal für einige Zeit so zu leben. Liebe Grüße, Franzi

      Antworten
  14. Pasquale

    Ein sehr geungener Artikel.

    Mir fällt bei vielen Nomaden vor alle, folgendes auf: Einerseits wird gegen das Hamster… gewettert aber auf der anderen Seite werden Bilder vom Strand in Thailand (nicht falsch verstehe ich habe nix gegen Thailand oder Strände 😉 ) mit Macbbok und Iphone gepostet. Nur blöd dass diese Geräte von Hamstern in Fabriken hergestellt werden. Auch die Piloten der die Nomaden zu den schönsten Orten der Welt fliegen sind ja auch Hamster die ihre Pflicht tun.
    Es kann einfach nicht jeder ortsunabhängig arbeiten sonst bricht unser System zusammen. Aber wenn das digitale Nomadentum nicht klappt dann kommt man mit dem deutschen Pass zurück und kassiert Hartz4 und die dummen Hamster können das zahlen.

    Antworten
    1. Franzi Artikelautor

      Hi Pasquale, vielen lieben Dank! Das sehe ich ähnlich wie du – irgendjemand muss schließlich auch die ganzen Jack-Wolfskin-Rucksäcke und GoPro-Kameras produzieren :-). Grundsätzlich finde ich es aber toll, als digitaler Nomade unterwegs zu sein und könnte mir sehr gut vorstellen, das selbst mal für einige Zeit auszuprobieren. Aber natürlich sollen, können und wollen nicht alle Menschen so leben. Deshalb würde ich einfach vorschlagen: Leben und leben lassen. Liebe Grüße, Franzi

      Antworten
  15. Johannes

    Hi Franzi,
    die quasireligiöse Verehrung des digitalen Nomadendaseins spricht offensichtlich viele an, die mit ihrer Situation unzufrieden sind. Du hast sehr schön beschrieben, was fehlt. Toleranz für Andersdenkende war noch nie eine Stärke von religiösem Sendungsbewusstsein 🙂
    Ich habe das Gefühl, dass die Welle gerade etwas abebbt, die Stimmen etwas leiser werden. Auch liest man differenziertere Artikel zum Thema, wie auch diesen hier von dir. Danke dafür!
    LG Johannes

    Antworten
  16. Denny

    Hi Franzi,

    ich verfolge die „digitale Nomaden-Szene“ so ziemlich seit den Entstehungstagen und nehme gerne Impulse für einen anderen Lifestyle auf. Aber Dein Artikel drückt aus, was mir lange im Kopf schwebte, ich aber nie artikulieren konnte. Die mangelnde Toleranz und und der scharfe Blick für das Unwesentliche – damit hast Du es sehr gut getroffen!
    Für mich ist der Vertrieb und das Verkaufen eine große Leidenschaft geworden, die ich privat durch meinen Blog vorantreibe und tagsüber beruflich ausüben darf – für mich ein Privileg.

    Danke für den augenöffnenden Artikel, sehe mich gleich mal weiter auf dem Blog um.

    Viele Grüße,
    Denny

    Antworten
  17. Thomas

    Hallo Franzi,

    Applaus – einfach nur Applaus. Exakt so ein Artikel lag mir schon lange auf den Fingern zum Tippen, nur ist es mir bis heute nicht wirklich gelungen, es so schön in Worte zu packen wie Du es hier gemacht hast.

    Ich gehöre zu den Menschen, welche wahnsinnig gerne reisen und um dies zu finanzieren einen Job nachgehen, ganz klassisch als Angestellter aber mit flexiblen, unregelmäßigen Arbeitszeiten – die auch mal über die 40h hinaus gehen. Und eben dieser Job erfüllt mich, macht mir sehr viel Spaß, bietet mir viele Möglichkeiten mich zu entfalten und bringt mich mit (meist) tollen Menschen zusammen.

    Wenn ich dann in diversen „Reiseblogs“ lesen muss, wie Scheiße mein Leben sich anfühlen muss, da bekomme ich mittlerweile allergische Reaktionen.

    Dabei sei jedem Menschen, der sich zum digitalen Leben unterwegs entschieden hat, das gegönnt und ich wünsche jedem Einzelnen Erfolg und Glück auf seinem Weg. Aber, es ist nun mal nicht die ultimativ, einzig richtige Art zu leben.

    LG Thomas

    Antworten
  18. Carina

    Hallo Franzi,

    über die Blogparade von Tanja von reiseaufnahmen.de bin ich auf deinen Artikel gestoßen und ich musste mehrmals sehr schmunzeln 🙂
    Du hast es auf den Punkt gebracht! Ich seh das ganz genau so: ein bisschen Toleranz würde dem ein oder anderen ganz gut tun. Niemand sollte sich blöd vorkommen, weil er lieber einen festen Job und einen schönen 2-wöchigen Familienurlaub macht, anstatt irgendeine noch individuellere Route als sein Vorgänger zu gehen.
    Anstatt sich über andere zu stellen, sollte man doch lieber froh sein, dass nicht alle gleich sind.
    Jeder so wie er mag und gut is‘.

    Danke für diesen Artikel: you made my day 😉

    Liebe Grüße
    Carina

    Antworten
  19. Janine

    Hallo Franzi,
    danke für diesen tollen Artikel. Ich mag das Wort auch nicht sonderlich. Eben weil es impliziert, dass ein 9-5-Job langweilig/ schlecht ist und nur das Digitale Normadentum die erstrebenswerte Lebensform im Jahr 2015 ist. Sicher kann das für einige Menschen stimmen, und sicher sollte man sein eigenes Leben immer wieder hinterfragen: Setz ich die richtigen Prioritäten, widme ich den richtigen Menschen und Dingen die meiste Zeit. Aber das muss der eine wie der andere. So aufregend es vielleicht klingt, keinen wirklichen festen Wohnsitz zu haben: Für mich wäre es nix. Mir gefällt es, jeden Tag auf Arbeit zu gehen, meine Kollegen zu treffen und meine Arbeit zu machen.Ich finde es schön, ein gefestigtes zu Hause zu haben. Das ist vielleicht etwas langweilig, aber lange nicht selbstverständlich.
    Leben und leben lassen.
    Alles Liebe
    Janine.

    Antworten
  20. Bettina

    Ich bin absolut deiner Meinung! Ich arbeite ortsunabhängig, lebe aber absolut bürgerlich: Seit einem Jahr verheiratet und mit Haus. Ich liebe es einfach ein festes Zuhause zu haben und bin lieber Zuhause als unterwegs. Täglich an Thailands Stränden rumhängen und dort mit PC im Cafe zu sitzen könnte ich – ist aber absolut nicht mein Fall! Für mich liegt die „Freiheit“ im ortsunabhängigen Arbeiten darin, in Home Office arbeiten zu können, nicht im Berufsverkehr stecken zu müssen, einen Hund zu haben, flexibel zu arbeiten und mehr Freizeit (aber weniger Geld) zu haben.

    Es gibt aber so viele Modelle, um im „Hamsterrad“ glücklich zu werden z.B. durch Teilzeitarbeit und sparsames Leben (weniger Arbeit, mehr Freizeit) und durch einen tollen, flexiblen Arbeitgeber (soll ja auch Angstellte geben, die im Home Office arbeiten und den Hund mit zur Arbeit bringen können). Als Alternative der Vollzeit-Hausfrau könnten auch beide Partner Teilzeitarbeiten (50-80%) und so mehr Zeit für die Kinder haben. Natürlich etwas Glück und er richtige Job gehören dazu. Und natürlich ist es auch schön, wenn der Vollzeit-Beruf glücklich macht.

    Zuletzt sollte man auch bedenken, dass kein Lebensmodell täglich nur Glück, Zufriedenheit und Sonnenschein garantiert.

    Antworten

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