Sushi, Kitsch und Karaoke: Was du in Tokio erleben musst

Innenstadt von Tokio, Shinjuku

Bis vor Kurzem habe ich mit Japan nur Takeshi`s Castle, The Fast and the Furious und Sailor Moon verbunden. Vergangene Woche hat sich das zum Glück geändert, als ich zum ersten Mal nach Tokio fliegen durfte. Schon im Flugzeug habe ich gemerkt, wie sehr ich die Japaner mag: Sie steigen ein, verstauen ihr Gepäck, setzen sich hin und halten die Klappe – ein guter Vorgeschmack auf das, was Touris in Tokio erwartet. Hier sind meine Must-Dos, falls ihr selbst einmal in die japanische Hauptstadt reisen möchtet.

1. Tokio von oben betrachten

Von den Aussichtsplattformen im 45. Stock der Doppeltürme von Tokyo Tocho habt ihr einen tollen Blick über die Stadt. Das 296 Meter hohe Gebäude (das höchste in Tokio) findet ihr im Stadtteil Shinjuku, westlich vom gleichnamigen Bahnhof gelegen. Nach oben gelangt ihr mit einem Hochgeschwindigkeitslift. Der Eintritt ist kostenlos.

 

Für rund fünf Euro könnt ihr euch das Geschehen auch vom Sunshine 60 Building aus ansehen. Dafür fahrt ihr mit der Linie Yamanote bis Ikebukuru und nehmt dort den östlichen Ausgang in Richtung Sunshine Street. Von dort aus sind es noch zehn Minuten zu Fuß.

 

Nicht wirklich empfehlenswert ist der Tokyo Tower: Extrem lange Wartezeiten sind hier an der Tagesordnung. Außerdem ist der Eintritt mit ca. sieben Euro von allen Optionen am teuersten. Alternativ könnt ihr euch natürlich auch direkt in einem der riesigen Hotels einquartieren und dort nach einem möglichst hoch gelegenen Zimmer fragen. Ich habe zum Beispiel im 36. Stock des Hilton Tokyo Hotels gewohnt und hatte dort einen sensationellen Ausblick.

Tokyo Aussicht aus dem Hilton Hotel

Besser geht’s kaum: Blick aus meinem Hotelzimmer im 36. Stock

2. Sushi und Udon Nudeln probieren

Ich war nie ein großer Fan von Sushi – bis ich zum ersten Mal nach Tokio gekommen bin. In fast allen Restaurants und Sushi-Bars ist die Qualität unglaublich gut und ihr könnt euch für wenig Geld so richtig sattessen. Highlight Nummer zwei waren für mich Udon-Nudeln. Die fetten Nudeln aus Weizenmehl gibt es zum Beispiel als Suppe oder auch angebraten in Austernsauce mit Shrimps und Gemüse. Unbedingt probieren!

3. In einem 100 Yen Shop einkaufen

Überall in Tokio gibt es 100 Yen Shops. Wie der Name schon sagt, kostet hier alles 100 Yen (ca. 80 Cent). Hier findet ihr Dinge, von denen ihr niemals gedacht hättet, dass sie überhaupt existieren. Aber wenn ihr sie dann seht, MÜSST ihr sie einfach haben. Da gibt es zum Beispiel Snacks, Süßigkeiten, Schmuck, Dekoartikel, Karten und vieles mehr. Einen riesigen, dreistöckigen 100 Yen Shop findet ihr in der Takeshita Street in Harajuku.

 4. Das Fast and Furious-Gefühl erleben

Erinnert ihr euch noch an „The Fast and the Furious: Tokyo Drift“? Ich habe wirklich noch nie so viele quietschbunte, aufgemotzte Pseudo-Rennautos gesehen wie in Tokio. Sobald die Sonne untergeht, heizen sie wie wild durch die Stadt. Stellt euch einfach mal nachts an eine breite Straße und seht euch das Spektakel an. Wenn ihr Glück habt, erlebt ihr sogar ein richtiges Rennen.

Tokyo bei Nacht Straßenrennen

Tuning ist in Tokio ein ganz großes Thema – hier ist einfach viel mehr erlaubt als in Europa

5. In einer Karaoke-Bar singen

Auch wenn ihr nicht selbst singen wollt, solltet ihr unbedingt mal in einer Karaoke-Bar vorbeischauen. Hier erlebt ihr die sonst so ruhigen Japaner mal von einer ganz anderen Seite. Richtig viele davon gibt es zum Beispiel im Kabuki Choo Viertel in Shinjuku.

6. Das Kabuki-Theater besuchen

In Japan ist Kabuki eine traditionelle Schauspielkunst. Ein Stück besteht aus mehren Akten, die sich bis zu drei Stunden hinziehen können. Falls euch das zu lang ist (und davon gehe ich aus) könnt ihr zum Preis von JPY 700 bis 1.000 (ca. fünf bis acht Euro) auch nur einen Akt anschauen, der dann zwischen 40 Minuten und zwei Stunden dauern kann. Um zum Theater zu gelangen, müsst ihr erst zur Tokyo Station und dann noch eine Station mit der Yamanote Line fahren. Tickets sind an der Abendkasse erhältlich.

7. Durch die kleinen Nebenstraßen irren

Lasst euch unbedingt durch die vielen kleinen Gassen treiben, die sich immer wieder von Tokios riesigen Hauptstraßen abzweigen. Hier findet ihr nicht nur leckeres und günstiges Essen sondern auch echte Shopping-Schätze und nette Einheimische, mit denen ihr in den Mini-Lokalen schnell ins Gespräch kommt.

Seitenstraße in Tokyo

In den versteckten Restaurants werden oft leckere Teriyaki-Spieße gebraten

8. Auf den Tsukiji Fish Market gehen 

Der Tsukiji Fish Market ist der größte Fischmarkt der Welt. Ab 5:30 Uhr könnt ihr hier die berühmte Tunfischauktion miterleben. Meldet euch dafür unbedingt schon eine Stunde früher im Information Center (Seiteneingang) an. Es gibt nur wenige Plätze, und wer zu spät kommt oder nicht angemeldet ist, wird nicht reingelassen.

9. Tokios Modemeile Harajuku entdecken

Mit der Linie Yamanote gelangt ihr zur Station Harajuku. Dort findet ihr die Takeshita-dori – eine 400 Meter lange Gasse, vollgestopft mit Szenenläden und Second Hand Shops. Hier könnt ihr die ausgefallensten Outfits bestaunen, die Japan zu bieten hat. Von dort aus geht es weiter auf die baumgesäumte Omotesando Avenue mit ihren vielen Boutiquen und Straßencafés. Am Ende der Straße gelangt ihr in den Yoyogi Park, wo sich Tokios Jugendliche, Punks, Alternative und Skater zum Schaulaufen treffen.

10. In einem Manga Shop stöbern

In Tokio gibt es ganze Läden voll mit Mangas. Obwohl ich natürlich kein Wort verstanden habe, hätte ich dort stundenlang die bunten Bücher und Hefte durchblättern können. Einen tollen Buchladen mit riesiger Manga-Abteilung gibt es zum Beispiel in der Unterführung am Bahnhof Shinjuku.

Manga Shop in Tokio

Manga Store in der Shinjuku Station. Hier hätte ich Stunden verbringen können

11. Durch einen Park schlendern

Tokio ist voll von Gärten und Parks, die meist im traditionellen Stil gehalten sind und im Frühling (besonders zur Kirschblüte) in allen Farben erblühen. Da gibt es zum Beispiel den Garten des Kaiserpalasts, den ihr täglich (außer Montags und Freitags) bis 15 Uhr besuchen könnt. Den für Besucher zugänglichen Teil im Osten erreicht ihr über das Odema Gate (U-Bahn Otemachi). Auch Rikugien an der Yamanote-Station Komagome im Norden und der Shinjuku Gyoen neben der Station Sendagaya (rechts herum durch die Bahnunterführung) sind einen Besuch wert.

12. Tokio bei Nacht erkunden

In Tokio wird es niemals richtig dunkel. Grund dafür sind die vielen, bunten Neonlichter, die nachts die ganze Stadt erstrahlen lassen. Kitsch vom Allerfeinsten – aber meiner Meinung nach ein absolutes Highlight in dieser verrückten Stadt.

Tokyo bei Nacht

Nachts ist Tokio sogar noch ein bisschen bunter als tagsüber

Öffentliche Verkehrsmittel und Taxis in Tokio

Die günstigste Art, in Tokio von A nach B zu kommen, sind die öffentlichen Verkehrsmittel. Die U-Bahn ist wirklich unglaublich gut ausgebaut und sehr zuverlässig. Die Fahrpreise beginnen bei JPY 150 (ca. ein Euro). Am Automaten wählt ihr einfach das englische Menü aus und lest dann auf dem Netzplan den Preis für eure Fahrt ab. Für unterwegs liegen übrigens an allen Stationen Stadt- und Netzpläne aus.

 

Taxis gehen in Tokio schon deutlich mehr ins Geld. Der Grundpreis für die ersten zwei Kilometer liegt bei JPY 660 (Limousinen) bzw. JPY 640 (Kleintaxis). Danach kosten alle weiteren 274 Meter JPY 80 (ca. 60 Cent). Nach 23 Uhr wird nochmal ein Aufschlag von 30 Prozent fällig. Viele Taxifahrer sprechen kein oder nur ganz wenig Englisch. Falls ihr ein bestimmtes Ziel im Auge habt, solltet ihr euch deshalb den Namen an der Rezeption in japanischer Schrift aufschreiben lassen. Grünes Licht an der Windschutzscheibe bedeutet übrigens „besetzt“ und rotes Licht „frei“.

 

Eine weitere Möglichkeit, die Stadt zu erkunden, ist der „Sky“ Hop On, Hop Off-Bus. Das 24-Stunden-Ticket kostet JPY 2.500 (ca. 20 Euro), das 48-Stunden-Ticket JPY 3.500 (ca. 27 Euro). Es gibt drei verschiedene Routen, zwischen den ihr beliebig wechseln könnt. Der Bus hält unter anderem am Skytree, am Tokyo Tower, am Venus Fort und – wie sollte es in Asien auch anders sein – an sämtlichen großen Shoppingmalls der Stadt.

Belebte Kreuzung in Tokyo

Sobald die Ampel auf grün springt, wuseln die Japaner wie Ameisen über die Straße

Shinjuku, Innenstadt von Tokio

Spaziergang durch Shinjuku: Hier gibt es einfach unglaublich viel zu entdecken

Japan: Kulturelle Unterschiede und mögliche Fettnäpfchen

Die japanische und die deutsche Kultur unterscheiden sich in ein paar Punkten extrem. Deshalb habe ich an dieser Stelle noch ein paar „Verhaltenstipps“ für euch:

 

  • Eine leichte Verneigung bei der Begrüßung gilt als höfliche Geste
  • Hierarchie wird in Japan groß geschrieben. Hier gilt Alt vor Jung, Chef vor Mitarbeiter und Mann vor Frau (ja, ihr habt richtig gelesen)
  • Vermeidet das Wort „Nein“ und sucht stattdessen nach Alternativen
  • Japaner stellen nicht gerne Fragen. Erklärt deshalb immer möglichst detailliert, was ihr genau möchtet
  • Die einzige „erlaubte“ Mimik in Japan ist das Lächeln. Wer andere Emotionen zeigt, bringt sein Gegenüber schnell in Verlegenheit
  • Naseputzen in der Öffentlichkeit gilt als äußerst unhöflich
  • Japaner legen viel Wert auf Harmonie. Dazu gehört das Vermeiden von direktem Blickkontakt, eine leise Sprechweise und dezente Gestik und Mimik

Zum Schluss noch ein wichtiger Hinweis zum Thema Tattoos

Falls ihr den Hotelpool nutzen oder einen Spa besuchen möchtet, solltet ihr nach Möglichkeit eure Tattoos verdecken. Was bei uns schon lange selbstverständlich ist, gilt in Japan immer noch als Zeichen der Gangzugehörigkeit (Yakuza!). In besseren Hotels kann es deshalb schnell passieren, dass ihr aus dem Wellnessbereich eures Hotels hinausgebeten werdet, sobald ihr euer Tattoo öffentlich zeigt.

Tokio Freilicht TV in Shinjuku, Tokio

In Shinjuku könnt ihr den größten Freilicht-TV-Schirm von Tokio bestaunen

Innenstadt von Tokio, Japan

Den Japanern kann es einfach nie bunt genug sein

Kirschblüte in Tokio, japan

Ein paar Überbleibsel der wunderbaren Kirschblüte

16 Gedanken zu „Sushi, Kitsch und Karaoke: Was du in Tokio erleben musst

    1. Franzi Artikelautor

      Vielen Dank, liebe Claudia 🙂 – Japan ist auf jeden Fall eine Reise wert. Ich hoffe jedenfalls, dass ich nächstes Mal noch ein bisschen mehr vom Land zu sehen bekomme. LG Franzi

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    1. Franzi Artikelautor

      Vielen Dank, liebe Sophia 🙂 Leider war es nur ein kleiner Vorgeschmack auf Japan, aber ich möchte das Land irgendwann auf jeden Fall mal länger bereisen. LG Franzi

      Antworten
    1. Franzi Artikelautor

      Oh ja, und du könntest dort deine Shoppingsucht absolut ungehemmt ausleben. Sogar mit dem aktuellen Euro ist dort alles noch total günstig. LG Franzi

      Antworten
  1. Verena

    Hey Franzi!
    Hab gerade deine Website über FB gefunden!
    Tolle Berichte und super ausführlich! Macht richtig Spaß diese zu lesen…
    Auch wenn ich bis jetzt noch nicht in Genuss kam Tokio zu bereisen, wusste ich es doch! Die Stadt ist fabelhaft! Und die Japaner erst recht!
    Wie ich in der Schulung schon gesagt habe 😉
    Hoffe dir gehts gut!!
    Sehen uns dann am 18.5. wieder! Freu mich!!!
    Liebe Grüße
    Verena

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    1. Franzi Artikelautor

      Hallo meine Liebe. Das freut mich soo sehr, dass dir die Seite gefällt 🙂 Ja, Tokio war wirklich der Hammer – muss aber wohl sehr unbeliebt sein, von daher wird es uns wohl alle noch öfter dort hinverschlagen :-). Mir gehts jedenfalls sehr gut – ich hoffe dir auch – und ich freue mich total, dich im Mai wiederzusehen. LG Franzi

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  2. Marieke

    Ein sehr schöner und informativer Artikel. Das mit den Tattoos wusste ich gar nicht. Die Frage ist, wenn ich schwimmen bin, wie soll ich die verstecken?
    Ich bin selbst auch ein großer Karaokefan und wenn ich in Japan bin, muss ich definitiv in eine Karaokebar!
    Ich finde Tokio ja total abgefahren, zumindest das was ich so im Fernsehen sehe. Ich hoffe ich komme dieses oder nächstes Jahr mal dorthin 🙂
    lg Marieke

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    1. Franzi Artikelautor

      Vielen lieben Dank, das freut mich wirklich sehr. Ich finde Karaoke auch ganz gruselig und traue mich nur extrem betrunken, selbst mal zu singen. Aber in Tokio wollte ich mir das einfach nicht entgehen lassen 🙂 LG Franzi

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    1. Franzi Artikelautor

      Ja, er ist wie ein Autounfall…man will eigentlich nicht hinschauen aber kann es dann am Ende doch nicht lassen 🙂

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  3. Pasquale

    Tokio ist wirklich toll. Ich war letztes Jahr 3,5 Wochen in Zentraljapan (Tokio,Kyoto,Nagoya,Takayama,Hiroshima) und bin restlos von dem Land begeistert. 🙂

    Im August fliege ich erneut für 4 Wochen nach Japan. Allerdings in den Norden, Hokkaido.

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    1. Franzi Artikelautor

      Wahnsinn…ich beneide dich gerade soo sehr! Würde selbst so gerne noch viel mehr von Japan sehen – ich finde das Land einfach großartig. Liebe Grüße, Franzi

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  4. WanderWeib

    Hallo Franzi,

    ein sehr schöner Artikel über Tokio! 🙂 Fasst die Stadt gut zusammen.

    Vielleicht ist es noch erwähnenswert, dass man in Japan oft die Schuhe ausziehen muss. Wenn man z.B. Häuser oder Tempel-Gebäude betreten möchte. In den Hotel-Zimmern zieht man auch seine Schuhe am Eingang aus und schlüpft in die bereitgelegten Schlappen. 😀

    Viele Grüße aus Tokio,
    Tessa

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  5. jens

    moin moin,

    ich finde deine zusammenfassung sehr gut & hilfreich.

    letzten november/dezember konnte ich mir selbst ein bild von tokio machen, und dieses jahr geht es auch wieder für sechs wochen nach tokio.

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