Eat Pay Love: Wenn Hollywood ins Paradies einfällt

Reisfelder: Reisterrassen in Ubud, Bali

Erst fünf Jahre ist es her, dass Julia Roberts einsam und entspannt mit dem Fahrrad durch die Reisfelder gestrampelt ist. Heute würde sie wahrscheinlich innerhalb weniger Minuten von einer Horde stinkender Motorroller plattgewalzt werden. Denn Ubud ist längst nicht mehr das, was es einmal war. Das balinesische Städtchen ist schneller, lauter, teurer und lebt davon, Touristen aus aller Welt durch Reisfelder, Tempel und Affenwälder zu scheuchen.

Touristenhochburg statt beschauliches Landleben

Bali ohne Ubud geht gar nicht, haben wir hier immer wieder gehört. Und ich hatte diesen Ort auch in so schöner Erinnerung, nachdem ich ihn 2010 im Schmachtfetzen-Selbstfindungsdrama „Eat Pray Love“ eine knappe halbe Stunde bestaunen durfte. Genauso wie Millionen andere Kinobesucher auch. Und die scheinen sich jetzt alle auf den Weg nach Ubud gemacht zu haben, um dort wie Liz zu meditieren und das Leben zu genießen. Das war zumindest meine erste Vermutung, als wir gegen Mittag mit dem Roller ankamen – denn die Stadt platzt aus allen Nähten. Nicht ganz so verrückt wie Kuta, aber doch weit entfernt von unserem beschaulichen „Heimatdörfchen“ Canggu.

 

Ubud ist vollgestopft mit Touristen, Shops, Restaurants und Tourenverkäufern. Selbst mit dem Roller hatten wir es schwer, uns durch den stockenden Verkehr zu schlängeln. Unser erster Ziel war der „Traditional Art Market“, an dem wohl kein Touri vorbeikommt. Leider ist vieles hier weder traditionell noch Kunst – sondern eher Ramsch und made in China. Wer ein bisschen stöbert, findet aber wirklich ein paar ganz hübsche Sachen zu guten Preisen. Besonders die Bilder haben es mir angetan und schönen Schmuck gibt es auch.

Bali: Innenstadt von Ubud

Nehmt euch am besten einen Roller, wenn ihr nach Ubud wollt. Mit dem Taxi bleibt ihr nur stecken

Bali: Arts and Craft Markt in Ubud

Viel Ramsch aber auch ein paar schöne Sachen: Shopping auf dem Markt in Ubud

Bali: Arts and Craft Markt in Ubud

Auch wenn ihr gar nichts kaufen wollt: Allein die wunderschönen Farben sind schon einen Besuch wert

Na klar wollen wir zu den Reisterrassen

Nachdem wir einmal quer durch Ubud spaziert sind und einen kleinen Zwischenstopp im Restaurant eingelegt haben (das war übrigens deutlich teurer als die Restaurants in Canggu – vielleicht haben wir uns aber auch nur das falsche ausgesucht) ging es dann weiter zu den berühmten Reisterrassen. Die Felder liegen in Tegalalang, mit dem Roller ungefähr 20 Minuten in nördlicher Richtung. Verfehlen könnt ihr sie nicht. Zum einen, weil Tegalalang ganz Bali-untypisch ziemlich gut ausgeschildert ist. Zum anderen, weil euch die Touristenmassen, die vielen Fahrzeuge und die unzähligen Souvenirshops mit Sicherheit ausbremsen werden.

 

Zugegeben, die Terrassen sind wirklich wunderschön anzusehen – wir waren ganz hin und weg. Ob hier wirklich Reis angebaut und geerntet wird, lasse ich mal dahingestellt. Ich bin ja kein Reisexperte, aber irgendwie sehen alle anderen Reisfelder auf Bali zu dieser Jahreszeit vollkommen anders aus. Eher abgeerntet und mit irgendeinem schwarzen Zeug gedüngt. Auch die „Reisbauern“ scheinen hier nichts anderes zu tun zu haben, als gegen Geld mit Touristen Fotos zu schießen. Das war mir in dem Moment aber egal, denn die Aussicht entschädigt wirklich für alles.

Bali Reisfelder: Reisterrassen von Ubud

Die Reisterrassen in Tegalalang: Traumhaft schön und ein echtes Postkarten-Motiv

Bali Reisfelder: Reisterrassen von Ubud

Für den Spaziergang durch die Reisfelder braucht ihr ungefähr eine Stunde

Zahltag in Ubud: Alle paar Meter wird „gespendet“

Die Reisterrassen sind sehr gut besucht, um es mal vorsichtig auszudrücken. Allerdings verläuft sich die Masse ein bisschen, sodass wir die Aussicht wirklich genießen und auch ein paar schöne Bilder schießen konnten. Ein kleiner Wermutstropfen: Alle paar Meter (insgesamt ungefähr drei- oder viermal) wurden wir angehalten, um eine kleine „Spende“ dazulassen. Damit habe ich grundsätzlich kein Problem, aber dass der Spendenbetrag genau festgelegt ist (je nach „Reisbauer“ ca. 20.000 Rupiah, ca. 1,20 Euro) und auf ziemlich unfreundliche Art und Weise eingefordert wird, hat mich ab dem dritten Mal dann doch ein bisschen genervt.

 

Am Ende heißt es: Exit through the Gift Shop. Nachdem wir noch ein paar Bali-Souvenirs im Allgemeinen und Reisfelder-Souvenirs im Speziellen bestaunt haben, ist der ganze Spuk auch schon vorbei. Wir sind zufrieden. Die Fotos sind schön. Kein ultimatives Natuererlebnis, aber auch keine riesige Enttäuschung.

Bali Reisfelder: Reisterrassen von Ubud

Die Reisterrassen sind ein echtes Bali-Highlight – auch wenn sie mittlerweile sehr touristisch sind

Bali Reisfelder: Reisterrassen von Ubud

Für diese tollen Bilder lohnt sich auf jeden Fall ein Besuch in Tegalalang

Und dann gibt’s da noch den Monkey Jungle

Wer noch nie einen Affen gesehen hat und sowieso in Ubud unterwegs ist, kann im nahegelegenen Monkey Jungle vorbeischauen. 30.000 Rupiah (ca. 1,80 Euro) kostet der Eintritt, exklusive Bananen. Auf der Infotafel wird behauptet, Affen wären von Natur aus nicht aggressiv. Das wage ich zu bezweifeln. Die Biester sind diebisch und fies. Ich habe noch nie verstanden, warum sich so viele Menschen von diesen Kreaturen angezogen fühlen. Trotzdem sind sie nett anzusehen. Und sie dürfen frei rumlaufen – Affen gehören einfach nicht in einen Zoo.

Bali: Monkey Jungle in Ubud

Im Monkey Jungle bei Ubud. Kann man mal gesehen haben, muss man aber nicht

Bali: Monkey Jungle in Ubud

Die diebischen Affen sind gar nicht so harmlos, wie sie im ersten Moment aussehen

Warum du trotzdem nach Ubud fahren solltest

Klingt alles ein bisschen negativ? Keine Sorge, so schlimm ist Ubud gar nicht. Ich finde nur, dass die Stadt im Internet sehr gehyped wird und immer nur die guten Seiten beleuchtet werden. Aber Ubud ist nunmal nicht mehr das Paradies, das es vielleicht einmal war. Wer das akzeptiert, wird hier bestimmt nicht enttäuscht. Denn es gibt leckeres Essen, tolle Landschaften, viele schöne Tempel und Shopping ohne Ende. Ein absolutes Highlight sind übrigens die unzähligen kleinen Kunst- und Handwerksläden, von denen wir in nördlicher Richtung besonders viele gefunden haben. Ich könnte hier mein komplettes Haus einrichten, wenn ich eines hätte. Macht euch also am besten euer eigenes Bild und genießt die positiven Seiten, die Ubud zu bieten hat.

Bali Reisfelder: Reisterrassen von Ubud

Das Negative einfach ausblenden und die schönen Seiten genießen. Ubud hat schon seine Vorzüge

Bali: Innenstadt von Ubud Tempel

Auch die vielen schönen Tempel in der Stadt haben uns richtig gut gefallen

Bali: Monkey Jungle in Ubud

Wer von euch war schon in Ubud? Hat’s euch gefallen oder wurden eure Erwartungen eher enttäuscht?

8 Gedanken zu „Eat Pay Love: Wenn Hollywood ins Paradies einfällt

  1. Fabian

    Ja, ich war von Bali insgesamt ziemlich enttäuscht. In Ubud ist mir aufgefallen, das die Stadt total künstlich für die Touristen angelegt worden ist. Also die Shops und Cafés und so weiter richteten sich eigentlich nur an westliche Besucher. Die Einheimischen hielten sich dagegen hauptsächlich in ihren Tempeln auf. Das fande ich irgendwie befremdlich. Und diese verdammten Affen haben mir meine kamerahülle geklaut und ich musste denen eine halbe Stunde hinterher jagen 🙂

    Antworten
    1. Franzi Artikelautor

      Ach wie schade! Nein, enttäuscht war ich von Bali eigentlich gar nicht. Am Anfang ein bisschen irritiert, weil ich mich null informiert hatte (ich Depp) und irgendwie so eine Trauminsel im Karibik-Style erwartet habe 🙂
      Aber als ich mich dann ein bisschen eingelebt habe hat´s mir eigentlich mega gut gefallen. Den Affen konnte ich aber auch nichts positives abgewinnen 🙂
      Liebe Grüße
      Franzi

      Antworten
  2. Hani

    Sieht wirklich toll aus. Wir wollen auch nach Bali, sind uns aber aktuell noch nicht ganz sicher, ob das mit drei kleinen Kids das Richtige ist. Liebe Grüße!

    Antworten
    1. Franzi Artikelautor

      Ja, es lohnt sich wirklich. Touristenmassen gibt’s ja mittlerweile fast überall und für mich haben die positiven Seiten auf Bali überwogen. Schau mal im anderen Artikel, da habe ich deine Frage mit den Kids (endlich) beantwortet.
      Liebe Grüße
      Franzi

      Antworten
  3. Anne-Marie

    Für mich war Ubud damals schon ein Highlight, obwohl es vor drei, vier Jahren schon gnadenlos überfüllt war. Insgesamt hat mir Bali übrigens sehr gut gefallen, obwohl es vollkommen anders war als erwartet.
    Liebe Grüße
    Anne

    Antworten
    1. Franzi Artikelautor

      Das ging mir genauso. Bali ist wirklich nicht die paradiesische Insel, die ich irgendwie im Kopf hatte.
      Aber trotzdem hat dieser Ort einfach einen so coolen Vibe…ich würde immer wieder hinfahren.
      Liebe Grüße
      Franzi

      Antworten
  4. Oli

    Ich habe von Bali sehr wenig erwartet und war dann letztlich überrascht, dass es doch nicht so schlimm war wie erwartet. (So gings mir auch mit Harry Potter…) Aber ich würde trotzdem jede andere indonesische Insel bevorzugen. Nur die Gili-Inseln fand ich noch schlimmer.

    Antworten
    1. Franzi Artikelautor

      Ich habe von Bali etwas ganz anderes erwartet, als ich letztendlich bekommen habe 🙂
      Hatte mir irgendwie mehr Paradies erhofft…aber da bin ich auch selbst Schuld, weil ich mich im Vorfeld einfach null informiert habe. Bekommen habe ich dafür grandioses Essen, gute Surfwellen, günstige Massagen und ein Traumhotel für wenig Geld – alles in allem also kein schlechter Deal 🙂
      Was fandest du den an den Gilis so schlimm? Ehrlich gesagt wollte ich da unbedingt hin.
      Liebe Grüße
      Franzi

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.